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INDISCHE MINIATURMALEREIEN DER MOGULZEIT
RANDSCHMUCK
Aus Kühnel-Goetz,
Indifche Buchmalereien
A ii den Ufern der Dfchamna zu Delhi und Agra,
_l\auf den kahlen Höhenrücken von Fatehpur
Sikri und amRaviufer zu Lahore liehen heule noch
die gewalligen Hofburgen der Mogulkaifer. Prunk-
und kunftliebend, große Bauherren, Freunde der
Literatur wie nur irgend einer ihrer fürftlichen
ZeilgeiiolTen der Renaillaiice- und Barockzeit in
Europa hat diefes Gefchlecht, aus Timuriden-
ftamm, in ununterbrochener Reihe von Vater auf
Sohn von 1526 —1707 fechs Herricher hervorgebracht
, denen kaum eine andere Dynaftie des isla-
mifchen Orients eine ebenbürtige Reihe au die Seite
Hellen kann. Babur (1526—1530)1 aus Ferghana
über die afghanifchen PälTe eindringend, und fein
Sohn Humayun (1530—1556) gründen in harteji
und wechfelvollenKämpfen ihr nordindifches Reich5
Akbar (1556—1605), der größte des Gefchlechts,
vollendet die Eroberung, macht leinen Hof zum
Mittelpunkt der WilTenfchaften und Künlte und
fchafFt ein Verwaltungsfyftem, das dem britifchen
noch heute in wichtigen Dingen zugrundeliegt;
Jehangir (1605—1628) und Shahjehan (1628—1659)
runden zwar noch die Grenzen ab, linden aber
Ziel und Freude ihres Lebens vor allem in Sport und
Jagd und im gefteigerten und verfeinerten Glanz
ihrer Hofhaltung. Aurangzib (1659—17°7)"> nart
und fanatifch, aber ein Hei'rfeher ganz großen Maß-
ftabes, der dem Reich den Süden Indiens hinzufügt,
ichließt die große Reihe. Dann linken Haus und
Reich in immer lieferen Verfall, bis beide 1858
ruhmlos erlöfchen.
Nicht nur über die Reichsgefchichte, auch über das
Perfönlichfte im Leben diefer Kaifer lind wir ungewöhnlich
gut, heller als über irgendeine andere
orientalifche Dynaftie, unterrichtet. V ie ihre
SchlölTer, fo liehen
noch ihre
Grabmäler aufrecht
, Wunder
und Marklteine
der Baukunft,
umgeben von
ihren Gärten.
Uber ihre Feld-
z üge und die fom-
merliche W"an-
derung ins Gebirge
, über das
Leben in ihren
AUS DEM JEHANGIR-ALBUM Rendenzen, über
(Scarabaeus-Verlag, Berlin) Freunde und
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