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GAZELLEN. TEILSTÜCK EINER SEITENUMRAHMl M'. AUS DEM JEHANGIR-ALBT M
Aus Kühnel-Goetz, Indische Buchmalereien (Scarabaeus-"Verlag, Berlin)
feinde berichten lie uns Gelber in ihren großarl ig
offenen Memoiren und durch die Feder des
Hofchronüten. Von außen, vom europäifchen
Standpunkl werden lie uns gefchiJdert durch
Franzofen und Engländer, Kaufleule, Abenteurer
und Gefandte, und durch die gaftfrei auf-
genommenen Jelüilenmiflionare.L' ndihre Maler
haben uns den Hofftaat, die Gelehrten und die
Heiligen \bb. S. 26) diefer reichen Zeil in
phantalielos klaren, rachlich-nüchternen Bild-
nilfen,das große Leben des Hofes und das klein-
leben des Volkes (Abb. S. 25) in Farben und
figurenreichen Blättern hinlcrlalfcn.
Eine Sammlung von Meisterwerken diefer hbfi-
fchen Malerei aus der Zeit ihrer höchften Blüte,
..das [chönfte indilche Miniatureuwerk in deutlichem
Belitz", das feit 60 Jahren fall unbeachtet
in Berlin lag, ifl vor kurzem in einer glänzenden
\ eröffentliehung ans Licht getreten. Ern.fi
kühne! und Hermann Goetz, beide durch
ausgezeichnete Arbeiten zur islamifchen Kunlt
gefchichte bekannt, haben ein im Belitz der Berliner
Staatsbibliothek befindliches Album in-
dilch-islamifcher Miniaturen herausgegeben "
und in eindringender L nterfuchung als aus dem
Behl/, Jehangirs dämmend erwiefen.
Das Album, von Heinrich BrugfchPafcha, dem
bekannten Agyptologen, 1 86 1 mit andern I [and-
*) Indifche Buchmalereien aus dem Jehangir-Album derStaats-
bibliothek 7.11 Berlin. V 011 Ernlt Kühnel und Hermann Goetz.
Berlin, Scarabaeus-V erlag 1924. gr. 4°, 62 S., -42 teihveifc
farbige Tafeln. Das prachtvolle Werk ilt der zweite Band einer
Serienpublikation des Scarabaeus-V erlags „Die Buchkunfi
des Oftens", deren erlten, ebenfo reich ausgeltatteten Band
„Islamifche Bucheinbände" von F. Särre wir im nächften
Heft unterer Zeitfchrift einsehend würdigen weiden.
fchriften aus Perlien nach Berlin gebracht, enthält
auf 25 Blatt in willkürlicher Zufammen-
ftellmig, w ie lie im Orient bis heule von Sammlern
geübl w ii'd. Minial urmalereien, kalligraphi-
fche Blätter und abendländifche Kupferftiche.
Jehangir wird als Befitzer durch zahlreiche per
fifche Beifchriiten erwiefen, die teils ihn l'elbli.
teils die Größen feines Hofes nennen und die
zugleich die Zufammenftellung des Albums auf
die Zeit zwifchen 1608 und 1618 feit legen lallen.
Einzelne Blätter lind dem Album verloren gegangen
und belinden lieh jetzt in Privatbesitz.
Am auffallendJten mögen wohl die Kupferftiche
erfcheinen. \ber ihre Anw elenheil erklärt lieh
leicht: w iflen w ir doch, daß Jehangir w ie vor ihm
fein"^ ater Akbar eifrig europäifche Kunftwerke
gefammeh hat. ohne dabei an den chriftlichen
Vorwürfen \nltoß zunehmen. Es war ja bis
zu den Tagen des glaubensltrengen \urangzib
am Mogulhol' weitgehendlte Duldung gegen
Hindu und Chriften heimifeh. \\ ir dürfen an
nehmen, daß diefe Blätter, meill der \nlwerpener
Manieriftenfchule entflammend, von denJe-
fuiten nach Indien gebracht worden lind. Be
merkenswert ifl. daß lieh dabei eine befondere
\ orliebe für die Nachftiche Dürerfcher Blätter
zeigt. I nd es ili ein immerhin feltfames Zu
lammenlreifen, daß lieh in denfelben Jahrzehn
ten der große bayerifche Kurfürli Max I. und
der Nachfahre Timurs auf dem indifchen Kaifer
thron als Dürerfammler betätigt haben, für die
l >rkennt nis der fernw irkungeuropäifcher Kunll
ilt die Tal fache diefer Sammeltätigkeit von Be-
dcul Line.
\ 11 ( 11 die Schrill proben tollen uns hier nicht
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