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aufhalten. Seibit der in orientalilchen Sprachen
1111 d Schriften bewanderte Europäe r wi n I es ka i1 m
je zu der Feinheil des Nachempfindens bringen,
die den gebildeten Orientalen die Züge berühmter
Schreibki'm 111er, zu denen auch FiirJften geborten
, ebenio lieber erkennen läßt, wie der
europäifche Kmifikenner ein unfigniertes Bild
feinem Meifter zuweilen
kann. Als
Kunftleiftung ift im
Orient die Schrift,
vielleicht nicht ganz
oline Rücklicht auf
i I i re magil eben Werte
, feit Alters der
Malerei mindeitens
gleichgeftellt worden.
So erklärt lieh die
für uns zu nach II befremdliche
\ ereini-
gung von Schrift-
und ßildblättern in
c i n c m Ubum.
Bleibt uns diele Welt
fremd und fern, lo
kann lieh in die Reize
der indifchen Miniaturmalerei
auch der
Abendländer verlieren
. \ im der Perfi-
fchen Malerei [lammend
und in der
Technik, Deckfarben
auf leinem Papier,
von ihr nicht ver-
fchieden, hat die isla-
milche Malerei in
Indien ihren eigenen
\\ eg und Stil gefunden
. Größerer Reichtum
in der Kompofi-
tion,ltärkereBerück-
(ichtigung der I a\ik[-
fchaft, liefere färben, beim Porträt fchärflte
Charakteriftik Lintert erzieht auf alles Beiwerk
lind. /,. T. unter europäifchem Einfluß, ihre
Merkma le gewo rden.
Sachlich lallen lieh die .Malereien des Jehan-
gir Albums in drei Gruppen teilen: große
figürliche Kompositionen, Bildnifle, Randverzierungen
.
\\ ohl das fchönfte der großen figurenreichen
Biälter ift das auf unferer Abb. geg. S. 24 wie-
JUNGER MANN AUS DEM JEHANGIB-ALBUM
Aus Kühnel-Goetz, Indische Buchmalereien
dergegebene Stadttor: vorn ein Garten, an
delTen künftlichem \\ alferlauf fpinnende Damen
filzen; über die Brücke ins Tor, vor dem
ein Bäckerladen fleht, wird ein Efel mit Brennholz
getrieben, das man rechts hinten bammeln
lieht; aus dem Tor kommt ein Maultierreiter.
Das doppelle Tor fuhrt nach orientalifchem Be-
feftigungsbrauch ums
Eck, die Inlchrift des
zweiten Tores trägt
die Jahreszahl i6i j.
\ul' dem Dach des
Hanfes dahinter zw ei
lefende Gelehrte; im
Hintergrund \ or goldenem
Himmel Felsgruppen
und Bäume.
Die Raulen zeigen
perlifchen Stil; die
reiche, volle Farben-
gebung ift indifcher
Herkunft.
Kaum weniger reich
in färbt' und Kom-
polilion, aber der
ruhigen Zultands-
fchilderung des vorigen
Rildes an Aus-
druckskraft überlegen
, ift eine Mord-
fzene (Abb. S. 27).
Das Rlall zeigt zwei
zeit lieh aufeinander
folgende Szenen: im
\ ordergrund unter
einem Zelldach die
Mordtat, der eine
reichgeklcidete Dame
mit. man möchte
lagen, (ympathi-
Ichem [nterefle zulieht
; in der oberen
I [älfte der Fortgang
der Handlung: auf dem Dach flehen die Mörder
, die das I [aupt des Ermordeten auf den
Platz vor dem I laufe geworfen haben; eine
\ olksmenge zeigt furcht. Schrecken. Empb
rung. Es ist wohl ein historifcher, aber nicht
bekannter \ organg dargeltellt.
Die übrigen großen Figurenbläller des Albums
zeigen Kaifer Huma\im mit feinen Damen und
Dienern im Gebirge lagernd, ein anderes Shah
Ismail mit Gefolge unter einem Baume raltend
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