Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 35
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0055
ihn und feine Art geöffnet." Nicht überfehen darf
werden, daß H. Thode feit feiner Berufung an
das Städelfche Kunftinftitut in Frankfurt a. Main
und namentlich als Kunfthiftoriker an der Heidelberger
Univerfität mit der ganzen Fülle feines
Temperaments und feiner Beredfamkeit für die
Kumt Thomas eingetreten ift und durch Veranstaltung
zahlreicher Ausftellun gen von Werken
Thomas und feiner Weggenolfen einen lehr
verdienftvollen Aufklärungsdienft diefer Kunft
in die Wege geleitet hat. Thoma wurde als
Künftler des deutfchen Volkes eingeführt.
Diefe erweiterten Anflehten über das Wefen
feiner Kumt riefen den weitbekannt und ge-
fchätzt gewordenen Meifter an der Schwelle des
Greifenalters in feine alte Heimat und an die
erfte Kunftftelle zurück, obfehon es in Frankfurt,
wo Thoma fich denn doch auch noch durchgefetzt
hatte, nicht an Bemühungen fehlte, den
Künftler zu halten, der der Stadt das Stigma
der „Kunftftadt am Main" und damit einer
Brücke zwifchen Nord und Süd aufgeprägt hatte.
Aber auch jetzt blieb Thoma fich treu. Er ging
in das Urfprungsland feiner Kämpfe und Siege
zurück nach Baden, nach Karlsruhe, wo er erft
nach der Revolution fich ganz auf fich und fein
Schaffen zurückzog und der Wrelt aus der Fülle
feiner Erfahrungen und feines Könnens und aus
der Tiefe feines Wiflens, Denkens und Geftaltens
noch zu feinem Bildnerwerk ein großartiges
und gehaltvolles Schriftwerk fchenkte. Wie fein
Bildnerwerk das nur Erfinderifche und Könne-
rifche weit überragte und in das Kultur- und
Weltanfchauliche, kosmifch Verbindliche ausmündete
, erwarb fich auch die literarifebe Außerungsform
volle Geltung. Man verftand doch, daß
hier nicht nur ein großer Künftler, fondern auch
eine menfehlich große Perfönlichkeit von Goe-
thefchen Ausmaßen am Werk war. Die Welt begann
aufzuhorchen. Sogar Berlin machte feinen
Kanoffagang in großartiger Weife. Die letzten
Ausheilungen in der Schweiz errangen einen
glänzenden Sieg. Im Norden wie im Süden Europas
werden internationale Ausheilungen nicht
ohne Thomas Beteiligung gemacht. Im franzö-
fifchen Weften greifen die Buch Verleger nach
Thomaf chen Werken, um das deutfehe Wefen
zu charakterifieren.

Was einft eine Verwegenheit fchien, war jetzt
eine Rechtfertigung geworden: ein Künftler hat
durch die Treue zu fich, zu feiner Art und Seele
die Anerkennung derWelt errungen; erzwungen
im Hillen Kampf um fein angeborenes Recht
zu fich. Nichts fcheint größer und fchwerwie-
gender in Thomas Gang von Stufe zu Stufe zu
feiner Weltwertung, als daß die ftillfte und w ort-
lofefte der Kimlte Thoma zu feinen Lebzeiten
noch durch alle Widrigkeiten hindurch auf den
Gipfel der Anerkennung getragen hat. In den
Zeiten der äußern Erfolglosigkeit hat Thoma
fich nie anders um die Geltung feiner Kunft
bemüht, als daß er aus dem Seibitvertrauen zu
fich und feiner Art Werk um Werk aneinanderreihte
. Keine anklagende, keine verzweifelte Gebärde
wurde je von ihm laut. Im Frieden mit
fich und in der Hillen Heiterkeit feines Schaffens
hat er fich über die Lebensnöte erhoben und der
Welt in feinem Werk einen Teil der Harmonie
gef chenkt, die in ihm felbft ift. Das hat ihm die
Anerkennung und Liebe der Welt gebracht.

Jos. Aug. Beringer

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