Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 46
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0068
Spanien und Holland: liier fpiegelt fich der
Volkscharakter viel tiefer in der bildenden
Kimll als bei anderen Nationen. Wer kennt
nicht die grünen Weidebilder, die fatte Behäbigkeit
der Holländer, die fchmucken Häufer
und Interieurs, wo die Leidenschaften in
feiten Truhen bis zu den Kirmestagen wohl-
verfchlolTen bleiben. Sie haben feitfamerweile
nur Graphik ansgeftellt — Holzfclmilte und
Radierungen. Demnach tritt ihre Eigenart hervor
in: Schelfhout, Wiegman, \A ichers ufw.
Von den Spaniern nennen wir J. Sorolla y Ba-
stida (f) „Frauenkopf"; Jofe Gutierrez Solana
„Stierkampf"; Madrazo Mariano Fortuny, der
(ich fchon in allen Techniken verflicht, zeigt
ein dekoratives Pallell; mit zwei Bildern ift Zu-
biaurre vertreten. Der berühmte Gitarren-
virtuofe Andres Segovia ift fprechend ähnlich
von Lopez Mezquita gemall worden. Ganz aus
dem fpanifchen Milieu fällt Chicharro mit feiner
„Verfuchung des Buddha", die voller Sinnlichkeit
, doch theatralisch erfcheint. Bildliauer
Huerta de Moifes fchuf die Marmorbülte Alfons
XIII.; Mariano Benlliure Hellt den bärtigen
Altmeifter Sorolla in Halbfigur dar.
Warum gerade England und Amerika immer
die konfervativfte kunft haben, bleibe dahin-
geftellt. Amerika ifl kaum über Sargent hinausgekommen
; England nicht viel über Lavery.
Im ganzen machen jedoch die Amerikaner den
heileren Eindruck, namentlich durch ihre Figurenmaler
. So Hellt Walter Ufer eine Früh-
ftückszene aus. L. Blumenfchein malt den
Aberglauben; G. Troccoli porträtierte eine alte
Frau im Geilte Sargents; Higgins zeigt eine
robuft gemalte Landfchaft. — England glänzt
hauptfächlich mit der Kollektion \\ illiam Ni-
cholfons, der wohl viel in Paris lebte. Sehenswert
natürlich die meiden Vquarelle, eine
Technik, die den Briten immer gelegen.
Nun zu Italien! Zunächft fehen wir fünf Ge-
dächtnisausftelhuigeii, und zwar vor allem die
von Barth. Bezzi (1851—1923), der einer der
bellen Landfchafter Italiens war. Er pflegte die
groß angelegte und zum Bilde erweiterte Studie,
verbunden mit einer wirklameii Betonung der
Farben und Valeurs. Die Sammlung; Fragia-
comos (1856—1922) zeigt dielen Künftler als
den zarten Laguneiipoeten, der zwar in Trieft
geboren, aber defTen Herz nur für Venedig ge-
fchlagen hat. Beachtenswert ift der junge ver
unglückte Maler und llluftrator Ugo Valeri
(187 !—1911), ein geiftvoll exzentrifchesTalent.

Die Soiiderausftelhuigen lebender Italiener nehmen
einen betrübend großen Raum ein. Zu
den Modernen gehört Feiice Caforati, der das
raffinierte Getue, pervers allegorifche Mädchen
zu fchildern, aufgegeben, und nun in feinen Geltalten
die größte Einfachheit der Linien und
Formen anftrebt. ItalicoBrass'figureureieheJni-
prefiionen Venedigs lind immer originell. Als
gute Porträtmaler erweifen fich Mileli und
Guido Cadorin, der jedoch die etw as garganl aa
hafte Pl^diognomic des Generalfekrelärs der
Ausfteflung, Vittorio Pica, nicht reftlos wieder
gab.Land! chaftlicliHervorrageiidesbieten: Chi-
tarin, Carozzi, V\ olf-Ferrari,Pomi und Scattola.
Erfreulicherweife durften heuer auch die jüngeren
zu Worte kommen. Diele nennen lieh

o

Holz „Anti-Impreffioniften", aber wie ift in
ihnen jener akademifehe Zug, der längft über
wunden feinen, erklärlich? Dennoch erwecken
die Bilder diefer Jüngeren das lriterefTe. Am
konfequenteften bleibt Ubaldo Oppi, deflen
klaffifch edles Gefühl manchmal leicht ins
Sinnliche hinüberfpielt, — dies im klangvollen
„Herbftiiachmittag", im Doppelbildnis „Die
Freundinnen" und im Porträt feiner Galtin.
\irgilio Guidi fchildert in lapidarem Stil die
lnfairen eines ländlichen Trambahnwagens. Dagegen
fucht Primo Conti im Bilde „VS erdende
Mutler" eine freiere exprelhoiiiitifche Note.
\\ erke zur \ erherrlichung des Krieges fehlen,
doch die Tragik des Blindwerdens infolge
Kriegsverletzungen w urde von der italienifchen
Kunft erfaßt und wirkl wie eine \nklage; fo
z. B. von Barth-Sacchi. Unter den Bildhauern
hat Giufeppe Zanetti eine rafch populär gewordene
Gruppe modelliert: „Kriegswaife,
einen Blinden führend". — Schließlich prang!
auf einem Ehrenplatz gleich eines römifchen
Imperators die Büfte Muftblinis, ftark idealifiert
durch Adolfo Wildt. Menfchlicher aufgefaßl
wurde vom felben Künftler der geniale Orche-
fterdirigent Toscanini. Andere nennenswerte
Bildhauer wären Cifariello, Grazioft, Andreotti
und Zanelli.

W enn der fraiizöfifche Pavillon mit feinen
242 Werken einen allzu hiftorifchen Eindruck
macht, fo liegt dies in der merkwürdigen Tatfache
, daß auch dieles Land zur „Verftärkung
feiner Pofition" eine Anzahl Galeriebilder mit-
ansgeftellt, nicht weniger als 5 4 Leihgaben aus
dem Luxemburg-Mufeum. Es werden da vorgeführt
: Puvis de Chavannes,Touloufe-Lautrec,
Siguac, Renoir, Besnard und wie lie alle heißen

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