Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 56
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0078
KARL HOFER

Ausftellung neuer deutfcher Kunft, Stuttgart

ganz von inneren Kräften aufgebrochen wurde,
nicht ganz im Seelifchen verfank, gilt den Jungen
künftlerifch undenkbar. Der ganze Raum
wird ihnen Vifion. Die Außerliehkeit des fnin-
lichen Dal eins w ird durchfloßen, die Verankerung
der Kunft im Jenfeitigen gefuehl und die
räumliche, dreidimenfionale Ordnung gefprengt.
Der göttlichen Spur möchten diele Küuüler
nachgehen und die Tatfachen haben nur noch
infoweit Bedeutung, als durch fie hindurch-
greifend die Hand nach dem langt, was hinter
ihnen Hehl.

Klar fpiegelt lieh in diefer Geiitesrichtung der
Gegeniatz gegen das \\ dlbild des Impreffio-
nismus, der die letzte Folgerung und zugleich
^uflöfung der objektiven Darhellungsform der
letzten Jahrhunderte ift. Ahe Kunft ift Ausdruck
eines Weltgefühls. So ift die Konfi des
Kxpreflionismus Ausdruck des Slrebens der
jüngftvergangenen Zeit, lieh \<>n der Herr
fchaft des Intellekts loszumachen, in der fchließ-
licli kein Glaube und keine Liebe mehr Raum

fand. Die jüngere Genera
lion war von einem liefen
Mißtrauen gegen die herr-
1 chenden materiabftifchen
Strömungen erfüllt, welche
die Y\ clt ihrer GeheimnilTe
und Farben beraubt hatte.
Wie I ran \l\ing in lbfens
Drama laben fie in der Kul-
tur der Zeit „Gefpenfter",
d. h. Gebilde, die der \\ ahr-
heit nicht mehr entfprechen.
„Nur einen einzigen Knoten
wollte ich aufmachen,
als ich ihn aber aufhatte,
da gab die ganze Gefehichte
nach. L nd da merkle ich.
daß es nur Mafchinenarbeit
war." Alude Seelen verkündigten
aus folchen Uber-
legungen heraus den Untergang
des Abendlandes, während
talkräftige Geifter eine
Umgeitaltung unferes Lebens
von Grund auf ver-
Langten. Eine neue, unfere
Kultur befruchtende \\ ehe
ging namentlich \<>n den
Lehren des franzöfifchen
Philofophen Bergfon aus,
den die maßgebenden deut-
fchen Gelehrten Windelband und Simmel
bei uns eingebürgert haben. Gerade er wendet
(ich gegen das Vorurteil der bisherigen
WifTenfchaft, daß mit Gedankenformeln die
Probleme der Zeit gelöft werden könnten. Ein
Grundmotiv feines Denkens ift es, daß die Formeln
das Leben vergewaltigen. Seine Philoib-
phie will eine llinführung zu einer das Leben
in feiner Unmittelbarkeit erfafienden Denkhaltung
fein. Niehl in der A\ ahrnehmung, fondern
im innerften feelifchen Sein: durch Intuition
ift das Unmittelbare zu finden. Seine
Weltaiifehaiiung ift eine folche des Werdens,
die lieh der des Seins geheimberhellt. Je tiefer

o o

wir in die leelifche \\ irklieh keil hinablteigen,
um Co mehr erweift fie lieh als ein unbegrenz-
bares, unteilbares, unmeßbares fließen und
Quellen, in ewiger \ eränderung begriffen. Die
herrfchende meclianiflilchc\\ eltaufFaflung —
tölet die Seele. Gegenüber der einfeitigen Schätzung
des \ erftandes hebt er die hohe Bedeutung
der Intuition hervor, die auch die \\ dl

DIE PUTZMACHERIN

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