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DRESDNER KUNSTAUSSTELLUNGEN
Dresden sah in diefem Sommer wie feit Jahren
üblich zwei Kunftausftellungen, eine der
Dresdner Künftler Vereinigung im ftädtifchen
Ausftellungshaufe an der Lenneftraße, eine der
Kimftgenoffenfchaft im akademifchen Ausftel-
lnngspalaft auf der BrühlfchenTerrafTe. Neu war
aber, daß mit der Genoffenfchaft die Secefßon
ausftellte, fo daß die beiden äußerften Richtungen
vereint waren, während die mit llere für fich blieb.
Beide Ausftellungen boten im übrigen das gewohnte
Gefamtbild.
In der KünftlerVereinigung war diefes noch etwas
einheitlicher und gefchloflener geworden als bisher
, etwa abgefehen vonAuguft Böckftiegel, der
noch immer in Bildern mit lebensgroßen Geltalten
in wildem Rot und Gelb fchwelgt, Felixmüller
, delfen grotesk verzerrte Bilder—„Künftler
in Armut" und „Kleinkindcrbewahranftaltm
Klotz fche" — mehr von Tendenz als von Kunft
zeugen, Otto Meifter, der in den vier apokalyp-
tifchenReitern und in der „ SchaffungEvas " temperamentvoll
eigene Wege geht, ohne noch voll-
Händig zu überzeugen, Paul Callel und Konftantin
Franz, die ebenfalls noch Orgien in Farben ver-
anftalten.
In ab geklär terVollendung treten dagegen dieAlt-
meifter Robert Sterl, Otto Gußmami und Ludwig
von Hofmann auf den Plan. Sterl ftellt j e zwei
Bilder aus zweien feiner Stoffgebiete aus: „Steinbrecher
bei der Arbeit", in denen feine große
Kunft Menfchen in wuchtiger Arbeit hinreißend
darzuftellen und leuch tendes fonniges Licht über
Stein und Menfchen auszugießen, glänzend zur
Geltungkommt, dazu zwei in meifterhaf terFlottheit
hingeworfene Anflehten von der Wolga und
von Nifchni-Nowgorod. V011 Otto Gußmann
fah man ein geiftvolles Selbftbildnis und einen
vortrefflichen Frauenakt in feiner Harmonie mit
der Umgebung. Ludwig von Hofmanns „Ritor-
nell" zeigt in abgeklärter Zurückhaltung ein halbes
Dutzend nackter Jünglinge und Mädchen in
der friedlichen Stille des Hirtenlebens. Zu diesen
dreien tritt noch als bewährter Meifter Paul
Rbßler in einem Stilleben und einer Maskerade
. In gefchmackvoller Eleganz gibt fich Ernft
Richard Dietze in feinen weiblichen Bildniffen,
als tüchtiger Könner in impreffioniftischer Malweife
in feiner Studie aus dem Kaffee Pollender.
Als Gäfte wurden eingeladen Edward Münch und
K a 11 Flofer. Münch war mit feinen drei Gern älden
kaum überzeugend vertreten. Karl Hofers „Rufer
", der an hervorragender Stelle den Blick auf
fich lenkte, wirkte in feiner kühlen Klarheit und
fcharfen Betonung der Linien als das Werk eines
klug berechnenden, feines Stils neueren Künft-
lers. Zu diefem kamen weiter Jof eph Hegenbarth
und Otto Schubert, denen beiden je ein befon-
dererRaum zugebilligt worden war. Hegenbarth
ili eine ftarke Perföiilichkeit, befonders als Graphiker
. Sein „Zug Alexanders gegen diePerfer"
in impreffioniftifch erfaßten Aquarellen, gibt
überaus lebend ige Mafienfzenen in einheitlichem
Fluß und flotter Technik. Das Ganze ift von
frifcher ftarker Eigenart. Dazu kommen ein
Dutzend Ölgemälde: „Würfelfpieler", „Rauchender
", „Obftpflücker", „Raufbolde", „Bacchantenzug
", „Betrunkener" ufw. — alles ener-
gifch im charaktervollen Ausdruck der Züge
und der Bewegungen. Auch die Radierungen
aus Stimmen der Völker in Liedern und die
Zeichnungen aus der Mappe Odyffee zeigen die-
felben Eigenfeh aften kraftvoller Eigenart.
Otto Schubert ift, in feinen zahlreichen Gemälden
— „Sintflut", „Reiterkampf", „Tobias heilt feinen
Vater", „Bacchant und Nymphe", „Straße
mit Poftwagen" ufw. — fehr vielfeitig in den Gegen
Händen, aber auch ungleich in der Ausgeftal-
tung. Auch er hatte ein Gefamtwerk „Hannibals
Zug über die Alpen" und Radierungen aus einer
Mappe „DieFibel" ausgeftellt;fie wirken zumTeil
etw as leer für das große Format. In allem zeigt fich
Schubert als ein freudiger J^ebensbej aber. Da ift
weiter Eugen Fraaß mit klar gefehenen Land-
fchaften, befonders einer „Familie in Winterlandschaft
", Y\ alter Jakob mit dunkel gehaltenen
charaktervoll malerifchen Bildniffen und einer
breit undfrifch hingefetzten kriftallklaren Win-
terlandfchaft. Auch von Fritz Winkler ift eine
prächtigeW iuterlandfchaf t vorhanden; vonFIans
I [anner ein vornehmes farbenfrohes Damenbild-
nis; von Willy Himer eine lnftige, altholländifch
gel ebene Landfchaf t, von Hans Nadler ein eigenartig
romantifch erfaßter „Angler auf einer
Brücke"; von Wilhelm Rudolf ein „Eisgang"
und eine „Wildlau", beide von Talent zeugend,
von Oskar Trepte S traßenbilder und Felf enland-
fchaft, auf die einfachfte Formel gebracht.
Auf dem Gebiete der Graphik find noch die
Die Kunst fllr Alle. XXXX. 3. Dezember 1824
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