Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 70
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0096
liches zugeführt. Man ift verflicht, Dills „Stierkampf
" als das belle Bild der Ausheilung zu bezeichnen
.

Unter den plaftifchen Werken der Genoften-
fchaft ragen die fehr lebendigen trefflichem Bülten
von H. E. Gramer hervor, daneben von Paul
Berger ein ganz vorzüglicher weiblicher Halba k I
in Kalkftein, dem bei der Aufteilung der Kopf
abgefchlagen wurde und der nun eigenartiger
Weife als Torfo weit monumentaler wirkt als
mit dem an lieh auch nicht übel wirkenden Kopf,
der geiondert verkauft worden ift.
Die Vertreter derSecefßon find merklich zahmer
geworden als in früheren Jahren. Kandinsky,
Feininger, Klee haben nichts wefentlich Neues
zu lagen. Unter den Dresdner Seceflioniften ragt
Otto Lange mit heben Landfchaften, Segelfchilfe,
in linearem Rhythmus und weit beiferen graphi-
fchen Werken hervor. Otto Griebel „Auswanderer
" und fein Familienbildnis find anmutende

Leiftungen, aber kaum feceffioniftifch. Neimen
wir noch aus diefer Gruppe Max Bufyn,Wilhelm
Lachnit, C. von Mitfchke - Collande, Otto Dix,
der unter anderm ein peinlich fcharf charakteri-
lierendes mämiliches Bildnis ausgeheilt hat, und
den Bildhauer Chriftoph Voll, der lieh mit feiner
Plolzplaftik, befonders dem „Taub ftummen Mädchen
", fowohl nach der Seite des Ausdrucks wie
der Technik als einen hochbegabten Künftler
ausweift. Auch Rudolf Borns ftreng ftilifierte
Gruppe „Sufaima" (in Porphyr) ift ein der \n
erkemiung wertes Werk.

Auch eine kleine architektonifche Abteilung war
der Ausheilung der Kuiiftgenoflenfcliaft angegliedert
. Das Beite gaben hier Franz Hünerfeld
(Gaftftätte der Porzellanfabrik Hermsdorf), Hans
Wiefinger (Porzellanfabrik in Freiberg) und
Bernhard ^ V eyrather (Gefchäf tsliaus). Der fach -
lieh einfache zweckmäßige Stil ihrer Bauten er-
fcheint unferer Zeit befonders angemelTen.

P. Schumann

ÖSTERREICHISCHE KUNSTAUSSTELLUNG 1900-1924

Die vier großen Wiener Kunftvereinigungen
haben lieh in dielem Flerbfte — mit Rücklicht
auf das gleichzeitige Mufik- und Theater-
feft — im Künftlerhaufe zu einer Rückfchau
vereinigt. Einige „Wilde" wären nach ihrem
Charakter leicht unter die vier aufzuteilen, die
lieh nach ihrer Eigenart auch heute noch ziem
hch Icharf voneinander abheben, wenn fie lieh
auch allmählich einander genähert haben. Man
könnte ungefähr die vier Temperamente in
ihnen ausgedrückt finden, vier Ausftrahlungen
des menlchlichen Wefens, die wenigfiens den
heutigen Ofterreicher ziemlich erfchöpfend re-
präfentiereii, wenn auch einige bedeutende
Künftler wie Clementfchifch, Curry, Harta,
Merkl, Sterrer gar nicht vertreten find. Die Tendenzen
anderer kehren doch in anderen^ erken
wieder. Aber diefe fehlen wirklich in einem Gelamtbilde
der heutigen öfterreichifchen Kunft.
Die Künfllerhausgruppc empfängt gleich im
erften Saal, als Hausherr, tritt aber fofort be-
fcheiden hinter den Gallen zurück und kehr!
nur noch in zwei Sälen wieder. Sie wäre hier
das plilcgmatifche Temperament, die Akademie,
feftgewurzelt in den feit .lahrhunderten befte-
henden AmTaJOTungen und ihren Methoden, feft-
gc\\ urzelt in dem lehr konfervativenGefchmack
des^ iener Publikums, feftgewurzelt aber auch

im Volke. Das zeigt lieh in ihrer innigen Verherrlichung
der heimifchen Landfchaft und
noch in einem anderen Zuge, delTen Bedeutung
meines Erachtens allgemein überleben wird. Er
mag mit der fchaufpielerifeben Neigung unteres
Volkes zufammenhängen. Nämlich den meiften
von ihnen gelingt es ausgezeichnet (was auch
Defregger ib wohl verftand, hingegen Makart
gar nicht), Affekte in Miene und Haltung auszudrücken
. Auch dies ift malerifche Kunft,
wenn auch nicht des reinen Malens um feiner
felbft willen. Hier wird eben dem Gegenftand
große Bedeutung zugefchrieben, aber nicht im
Sinne des intenfivften menfchlichen und zugleich
malerifchen Erlebens (wie etwa bei Delacroix),
fondern im Sinne des Erzählers, der fich an
einer guten Pointe erfreut. Alfo eine gefellige
Kunft, eine Kunft der bürgerlichen Gefellfchaft,
mit deren Fühlen fie völlig übereinftimm I.
Die Seceffion ift — oder war einmal — das
fangumifche Element, die ftürmifche Jugend —
aber natürlich, man kann nicht durch Jahrzehnte
hindurch die Ver-sacrum-Stimmung feilhalten.
Aufgebaut auf der Münchner Kunft um 1900,
deren breite, flächige Manier allmählich zur
Tonmalerei gewandelt wurde. Keine geringe
Leiftung: mit breiten Strichen und dennoch
tonig malen!) Auch die Japonismen und S\ m

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