Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 78
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0106
\\ Lid — Wafler mit Teichrosen und Schilf.
Alles groß, lichtvoll und denBewegungsgraden
der Naturdinge entfprechend bewegt. Bei der
Größe feiner Anfchau ung w aresihmNotw endig-
keit, naturgroß zu malen, feine Waldbilder bis
zu zwei Meter. Er malt Rohr und Schilf, nicht
bloß für ein zumalendesBild, fonden 1 um fein Bild
charakterifiifchhinzufchreiben; endlos zeichnet
er \\ Lnd im Schilf, naturgroße Teichrofen.
1884 unterbrach er feine einfamen Studien, um
tu il Schlich in Pariszufammenzukommen. Auch
hier im Brennpunkt der damaligen Kiuiftftrö-
mungen blieb er (ich felbft getreu und ging unbeirrt
feinen \\ eff.

1890 fiedelte er in den Entenfang über, lebt
von der Fifcherei und führt 18 Jahre lang ein
ganz zurückgezogenes, nur der Kunft gew eihtes
Leben. Man denke! 12 Jahre Ferch, 18 Jahre

'Entenfang.....alfo 30 Jahre Einfamkeit aus

innerer Notwendigkeit heraus, um in engflem
Zufammenleben mit der Natur weiterzudringen

auf dem einmal erkannten \\ ege. Er hat

d

te

Majeftät der Natur in allen Regungeji Händig
vor fich, dadurch wird er felbfi immer elementarer
. So tritt er z. 13. einesMorgens imNovember
ansFenfter. Es ift Nebel.....Alfo malt erNebel
. . über die ganze Leinwand, und entwickelt

daraus die Dinge der Landfchaft. Dann teilt er
den Stirn mungsto n in zwei kom plementäre Töne,
die er dem Himmel ablas. Jedesmal dem Licht
entfprechend.

Mit aller Macht trieb es ihn andieSee. Ermußte
dorthin. Er ging nach Lohme an der Nordkiisle
von Rüffen. Dort fühlte er dasYN allen der Natur-

o

kräfte am elementar He 11, und ihre Darftellung
w Li rd e nun der Inhalt feiner Bilder. Er sagt felbft:
„Ich war gezw ungen, die Naturdinge dort oben
neu und gründlich zu ftudieren. Ich zeichnete
die wachfenden kämpfenden Bäume, die fclmell-

langfam fich bewegenden \\ all ermaßen.....

Dann malte ich diefe Dinge, das WaJDTer in feiner
Durchfichtigkeit und verfchiedenen Bew egungs-
graden. Die geletzmäßige ^ irkung der Stimmung
auf den Flächen. Die Lieblichkeit der dortigen
Flora im Gegenf atz zur brutalenacht der
\\ eilen. Die wichtigilen Erfcheinungsformen
der Dinge find die, die fie unter den meiften Be-
dingungen zeigen. Das iit bei der See die Brandung
— derenDonner man felbft bei Nacht hört,
wenn man nichts fieht. (Alle andere Seemalerei
ill Seeltilleben.) In diefem Sinne malte ich die
größten Stücke, alle auf einen Sitz in zwei bis
drei Stunden, die KüJLtenbilder ebenfo!"
Nicht eines feiner Seebilder gleicht dem andern.

KARL HAGEMEISTER

TEICHROSEN

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