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wie die Stumpfheit
überhaupt das größte
Hemmnis in Schucha-
jews Entwicklung ift.
Schuchajew galt bereits
auf der Petersburger
Akademie für
eine ftarke Hoffnung.
Und diese Hoffnung
ift er geblieben. Die
Schwerfälligkeit in feiner
Entwicklung hal
das Gute für lieh, daß
er nicht gleich, auf
jedes neue Schlagwort
horcht und gehorcht,
daß er nicht von jedem
\\ inde lieh wenden
läßt. Cr fegelt dahin,
wohin auf großen Um-
w egen, nach vielen Irrungen
, was keineswegs
Verirrungen zu
lein brauchen, die moderne
Malerei hinaus
will — nach einer
neuen Meift erichaft.
Einen neuen Realismus
, auf Können ge-
ftützt, mit Erfahrung,
Kennerfchaf t,ße wu ß t-
fein zu vollbringen,
was frühere Meiller
von Ungefähr, aus dem
reichen Inftinkt heraus
lehnten. Das heißt allzu
unbewußt, wie fo
manche Junge es ihnen
nachfagen, haben die
alten Meiiter nun doch
nicht gearbeitet!
Schuchajew ift nun vorläufig von den kon-
struktiviftifchen Methoden allzufehr behext. So
kommt es, daß er bei einer ganz naturaliftifch
abkonterfeiten fitzenden Dame den Fußboden zu
konffruktiviitifchen Auseinandersetzungen benutzt
. Und doch find auf dem nämlichen Bilde die
roten Strümpfe als Brennpunkt, die meilterlich
abgemalten Brokatftreifen des Kleides prachtvoll
. Oder er malt inmitten eines armfeligen,
armen, aber feiigen Interieurs ganz naturaliftifch
einen ergreifend fchönen, reifen Frauenkörper.
Das Interieur aber mall er in umgekehrten Per-
W. SCHUCHAJEW
FRAU ANDRAJOWA
fpektiven, mit Durchschneidungen und kon-
ftruktiviftifchen Spielereien. Und doch gehört
diefes Bild zu feinen fchönften, bleibenden Arbeiten
.
Am meifterlichften find aber feine Landfchaf-
I en, fe ine fi nnifchen und r n fIi fchen Land fchaf teil.
Die meiften im Winter und Schnee liegend, weil
hier die f charfenKontrafte, die kahl en Bäume ihm
zugute kommen. Hier fand er Anwendung für
die radikale Malergeometrie. Die fchiefen, heilen
, phantaftifchen Dächer, die Winkel und Flächen
, die fie bilden, Durchschneidungen, Gleich-
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