Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 102
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ADOLF HENGELER

DEH PHILOSOPH

Aus E. v. Seidls Murnauer Hausbuch

grundftüeke mit den allen Bauernhäusern
den Obftbäumen angegliedert, auch ein fchluehl
artiger Graben, in dem im März ein lippiges
Blühen der Schneeglöckchen anhebt, dazu erworben
, ferner ein Stuck \\ ald, Gartenland,
Brachgrtuidftiicke und in der Tiefe einige \\ ei-
her— bis lchlie()lich ein Belitz von etwa fünfzig
Tagwerk beilammen war. Und nun höh das
Graben und Bauen an. Es war eine rechte Ge-
nefis. Wafler und Feite w urden gefchieden, ein
Park, ein Garten hervorgezaubert, Hügel enl
ftanden und w urden mit weithinfchauenden Pap
pelgruppen bekrönt, ein .. \llar der Fremid-
Ichaft" wurde getürmt und ihm die Goethe
\\ orte als [nfchrift eingegraben:

„Uns gaben die Götter auf Erden Elyfium"
mit der bangen, unzufriedenen, ironifehen, lehn -
l'uchligen Gegenfrage:

o o o

.. \ch. warum nur Elyfium?"
^m Weiher wurde ein „Gloriettl" gebaut, räubere
\\ ege angelegt, und was nur an fchiinen Bäumen
in di ei er m i t Prach texemplarei i von Laubbäu m ei i
gefegneten Gegend aufzutreiben und habhaft zu
mneben war, das w änderte in Seidls (iarl en. Stein -

bänke mit PJaftiken wurden aufgefiellt, Hermen
blinkten aus dem tiefen Grün, da und dort fah
man eine alte fanditeinerae Figur, und fogar
ein paar Salutgefchütze wurden aufgefahren.
Oben aber, auf weitfehauender Höhe, entltand
Emanuel von Seidls eigener T,and(ilz. Prlt for-
mallich befcheiden, dem J unggeJeilen angemel-
fen. dann immer wieder erweitert, fplendider.
ausladender und zugleich einladender von Jahr
zu Jahr. Ein großer Muli kl aal, den Gemälde
von Freundeshand, fpäterhin ein befonders gelungenes
Gruppenporträt von Seidls Murnauer
Tafelrunde aus Ludwig von Herterichs I land.
fchmückten, bildete den Mittelpunkt des I lau los.
Denn die Mulik war, wie im Leben Emanuel
Seidls überhaupt, fo auch in der Murnauer \ il-
Leggiatur eine Hauptfache.

Es war von vorneherein geplant, daß dieler
.Murnauer LandliLz kein Tuskulnm, keine Stätte
der Zurückgezogenheit und Befchaulichkeil. fon
dem ein „Elyfium",eine Freiftatt der Gefelligkeit
und des luftigen künftlerischenTreibens, ein w ei
ter Spielraum fchöner, freier Felle, aberaueb ein
I [erd der Freundfchafl fein Polle. Kurz nach der

i 02


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