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ADOLF HENGELER BESUCH IN MURNAU
Aus E. v. Seidls Murnauer Hausbuch
und darunter find die Jahre des großen Krieges,
die zwar Feiten droben in Murnau Einhalt geboten
, nicht aber den Stimmungen der Künftler-
freunde, von denen zumal Adolf Hengeler und
Julius Diez in prächtigen Zeichnungen, die weit
über alle Kriegsgraphik hinausgehen und in
denen fich tiefftes Empfinden und Kunft verbinden
, Kunde geben und Zeugnis ablegen.
Noch aber ift es nicht fo weit. Noch find wir, den
erften Band des Hausbuches durchblätternd, in
den geruh Famen und glücklichen Zeiten vor 1914.
Reizvoll fpiegelt fich im Hausbuch das Werden
und Wachfen, die ftändige Erweiterung und
Verfchönerung des Anfitzes, der bald„Elyfium",
bald „Dorado" genannt wird, oft auch geradezu
„ Paradies" oder „Gelobtes Land". Ua flehen z.B.
neben einem reizvollen Schercnfchnitt von J. V.
Schäfer, durch den der Vorgang abgefchildert
wird, die beziehungsreichen Sätze: „Am 1. November
1903 hielten 153 Karpfen und 78 Forellen
ihren Einzug in den elyfeifchen Weiher.
Es war ein großer Augenblick! Alle wedelten
vor Freude." Dann wieder lieht man „Die Kom-
miffion" (Seidl und Hengeier, Abb. S. 107), die
das Gelände, auf dem Bäume gepflanzt werden
follen, fachmännifch beaugapfelt, oder es wird
„Die Freude der Gälte an dem fchbnen neuen
Platz", auf dem eine graziöle Statue auf gelte! lt
wurde, fchaubar gemacht. Eine Zeichnung
Franz Stucks illuflriert den „Einzug der japani-
Ichen Schwanengänfe am 6. Auguil 1904".
Gaftfrei ging es ftets her im „gelobten Land";
man kam nicht nur auf Stunden, fondern oft
aul \\ gehen. Die Befuche wechselten, aber fie
Die Kunst flir Alle. XXXX.
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