http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0153
EDGAli DEGAS BEWEGUNGSSTUDIE
Phot. SchwavzkopF, Zürich
nichts als Form. O ja — einen Augenblick find
Tie auch einmal nichts als Form gewefen; alles ift
möglich, wenn es im Reich der Kunft gefchieh t —
derKunft, deren Genie eine göttliche Unverant-
wortlichkeitift. Im ganzen genommen find diefe
Werke eine wunderbare Gleichung von Stoff und
Form. Dies darum, weil fie in ungemeiner Weife
Kunft find. Und geliehen wir fchließlich (wir
dürfen es, ohne zu läftern): es gibt keine ungemeine
Kunft, deren Geheimnis nicht irgendwo
den Geheimiii Ifen des lieben Gottes felbft verwandt
wäre. Wir brauchen nicht zu meinen, daß
wir zuviel tun, wenn wir den Anblick diefer kleinen
Pferde und kleinen Frauen, die, ach fo groß
find (und-zuweilen klaflifcher Größe der Antike
ebenbürtig), mitdiefen großen Worten beenden.
Wie fchön, daß diefem Künftler fo, als wäre er
ein Stück vom lieben Gott (und freilich ifl er es),
die Form nurfelbftverftäncllichift: köftliches Ergebnis
einer Schöpfung, die aus derSubflanz von
innen nach außen gegründet ward. Es find die
Affen Gottes und der Kunft, die von außen nach
innen bauen wollen. Die haben den Aberwitz des
„Stils" erfunden. Es gibt keinen Stil an fich. Es
gibt nur den Stil, der eine fchöne Funktion der
Subftanz des Lebens ifl. Wilhelm Haufenftein
J19
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