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willen gefchätzt. Heute aber gilt es in weitelten
Kreifen, vor allem auch in Deutfchland, beinahe
als deklaffierend und jedenfalls als peinlich
, zu den Dekorativen gerechnet zu werden.
Das ift doch eine verkehrte Welt. Denn man
nimmt der Malerei tatfachlich einen ihrer ftärk-
ften Wirkungsfaktoren, wenn man das Dekora-
tive nicht gelten lallen will. Die Wahrheit ift
vielmehr, daß jedes gute Bild, ob es das nun
beablichligt oder nicht, dekorativ ift und fein
muß, wenn es nicht ein leerer Fleck, eine tote
Stelle an der Wand fein will. Man muß alfo
nicht auf jene hören, die den Wert der dekorativen
Kunft verkleinern möchten. Sie wird immer
der Maßftab für wirklich künftlerifche
] ,eiunngen bleiben.
Zu den Malern, denen das Dekorative (genauer:
das Malerifche als Mittel der Dekoration) Hauptziel
ihres Schaffens ift, gehört auch Profelfor
Otto Maria Porfche in München. Seine Bilder,
die alle reine Farbenphantaßen in der Geftalt
von Stilleben und von leicht genrehaften oder
ftillebenhaften Figurenbildern find, wirken in
Ausheilungen eigentlich nie befonders ftark,
jedenfalls bei weitem nicht fo, wie wenn fie an
dem für ße beftimmten Platz hängen. Das ift
begreiflich; denn diefe Bilder find meift in eine
Umgebung hineinempfunden, die vom gleichen
Geifte ift, wie fie felber find. Mehr noch : fie
find unmittelbar in ihre fchönen, ftilvollen, reichen
Rahmen hineingemalt, hineingedichtet,
hineinkomponiert. Der Maler fetzt fich vor die
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