Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 142
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CORNELIS DE YOS

DIE FAMILIE HUTTEN

Die Holländer des liebzelmteii Jahrhunderts
machten es fich darin noch leicht. Das Familien-
bildnis des Thomas de Keyfer in Berlin, das
einen Kaufherrn, feine Gattin und fünf Kinder
in verfchiedenen Zuftändeii der Erwachfenheit
zeigt, ih wirklich nicht viel mehr als eineTheater-
gruppe, und nicht einmal eine gut geheilte, und
die Amfterdamer Schützenftücke von Dirk Ja-
kobsz und CornelisTeunüTen, von DirkBarentz
u.a. geben nicht mehr als eine in zwei übereinanderliegenden
Reihen geometrifch abgezirkelte
Anordnung von Bildiiisköpfeii. Diefes Verfahren
, das der pfychologifchen Bindungen von
Perlon zu Perfon völlig enträt, kann malerifchen
Reiz befitzen und eben malerifch fo anziehend
fein, daß auch ein Künftler unlerer Zeit es
wieder aufnimmt; z. 13. hat dies Lenbach gel an.
als er die zehn Köpfe einer Künftlerkegel-
gefellfchaft ganz zwanglos über- und neben-
einanderftellte, aber es ift nicht die Erfüllung im
Sinne der innerlich verbundenen Bildiiisgruppe.
\"\ ie anders ging Jan van Eyck zu \\ erke,
als er den italienifchen Kaufherrn Arnolfini
und deflen junges Eheweib (Nationalgalerie
London) konterfeite. Es ifl im Sinne der alten

Malerei ein durchaus fachliches Bild, und der
Künftler hat keineswegs durch aparte, ungewöhnliche
Mittel ein Übermaß der Gefühle
äußerlich fchaubar zu machen unternommen.
Vber in dem zarten ErfalTen der Hände, in dem
Gleichtakt der Gefühle, in dem Tempo der
Empfindung, in der gleichmäßigen Atmofphäre
um und über beiden Ehegatten ift der Ausdruck
der Verbundenheit, der inneren Harmonie, der
Beziehung, wie lie auch beifpielweife in dem
Gefaiidten-Bildiüs Plans Holbeins ift. Ein be-
fonders reizvolles Werk diefer \rl ili das innerlich
lehr lebendige, bewegteFamilien-Gruppen-
bildnis des Berliner Kaifer-Friedrich-Mufeums,
das heute dem Jan van Scorel zugefchrieben
wird. Prächtig die Beziehung von Mann zu Frau
und wiederum beider zu den fröhlichen Kin
dern! Und über der ganzen Gruppe liegt,
im Räumlichen und im Stillebenmäßigen. das
in cliefcm Zufammenhang fall kultnrhiftorifche
Bedeutung gew innt, die Witterung der Gemein-
famkeil, das Müieuhafte, das Eingebautfein in
eine bellimmteKultur- undGefellfchaftsfchicht,
die allen gleich und felbfh erftändlich ift. Dieler
Zug der Erfaflung und Geftaltung der Gemein

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