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JOSEK 1! EINHARD
EAMILIENPORTRÄT LEGI! WD
famkeit des Familienhaften erhält (ich durch
Jahrhunderte. Als die holländifche Bildnismale-
rei ihre Kinderkrankheiten ausgefchwitzt hatte,
da flieg iie zu vorbildlichen Leiftungen auf in
Familicnl)ildiiiiren, deren belonders fchöne auf
Frans Hals und Bartolomäus van der Helft zurückgehen
und die gipfeln in Rembrandls Schöpfungen
nach diefer Richtung feines überquellenden
Ingeniums: in feinem „Schilfsbaumeifter
und dclfen Frau" (London, Buckingham Palace),
im .,Prediger Ansloo und Frau" und befonders
in dem figurenreicheren Braunfchweiger Familien
bildnis, das von rührender Innigkeit ift, das
mit einer einzigen Bewegung die ganze wundervolle
Mütterlichkeit der jungen Frau verrät, ohne
fich billiger Sentiments zu bedienen. Rembrandt
bedeutet auch die Erfüllung der Korporationsbild
nilfe, die im bürgerlichen, auf feine Vereine,
Gilden, Schützenbündnilfe und Wohlfahrtseinrichtungen
ftolzen Holland überaus zahlreich
gewünfchl und gemalt wurden. \ an der Helft
ili auf dcmW ege von jenen frühen, primitiven
Malern der „Schützenftücke", d. h. jener Grup-
penbildniire, auf denen lieh die Angehörigen
einer „Gilde", unter der man fo etwas wie eine
Abteilung der „Bürgerwehr" verftehen muß, zu
dem Schopfer der berühmten „Nachtwache",
dem ganz vergeiftigten, ganz ins Malerifche über-
fetzten, aber damit doch zugleich auch die letzte
Porträthaftigkeit im Sinne der „Ähnlichkeit"
aufgebenden Werk, einV erbind ungsgliecl. Ebenso
muß man Frans Hals und Jan de Bray, von
dem die ausgezeiclmetften Werke im Haarlemer
Stadtmufeum hängen, nennen, wenn man von
den „ RegentenbildnüTen" fprieht. In diefen
Stücken, die die Vorlteher oder Vorfteherinnen
vonWrailenhäufern, Leprofenanftalten oder ähnlichen
Einrichtungen darftellen, triumphiert die
bürgerliche Malerei Hollands. Übrigens ftelit
auch hier Rembrandt am Ende der Entwicklungsreihe
mit feinen „Staalmeefters" inAmfter-
dam, wie er mit feiner „Anatomie des Dr. Tulp"
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