http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0186
KARL BEGAS
DIE FAMILIE BE('. VS
im Haag den Abfchluß der im Rahmen der
holländifchen GruppenbildniHe nicht minder be-
deutfamen „Anatomien" gibt. Man Helle fich —
blitzartig fich in die jüngite Vergangenheit verfetzend
— die heutigen photographifchen Aufnahmen
von StudiengenoJTen, die dielen „Anatomien
" entfprechen, vor oder etwa die Grup-
penphotographie einer „ Korporalf chaft", die
mit den Schützenftücken korrefpondiert, und
man wird (ich des tiefen Kulturiturzes bewußt
lein! Noch Ln biedermeierlicher Zeit war das
I amilien- und. Gruppenbildnis der Gegenltand
freundlicher Pflege nicht allein von feiten der
Künftler, fondern auch der Auftraggeber, und
die Jahrhundert-Ausftellung in Berlin 1906 hat
•eine ganze Reihe folcher intimer Familienbilder-
wieder ans Licht gebracht. Meilterhaft traten
ihier zumal die Wiener Maler um Waldmüller
hervor, Amerling und Dan ha u I er z. B.. dann
aber auch norddeutfehe und rheinifche Künft-
ler: Runge, Speckter, Karl Begas, P. Schwingen,
Milde und Friedrich W^asmann mit der rührenden
Gruppe feiner Mutter und Schweiler. Menzel
hat das typifche Gefchwüter-Gruppenbildnis
geichafifen: fcheinbare Gleichgültigkeit, keine
demonftrative Zärtlichkeit, aber defto blutvollere
innere Verbundenheit.
Diefer großen Gruppe bürgerlicher Gruppen-
bildniffe, die hauptlächlich den germanifchen
Kmiftnationen gehört, lieht eine nicht minder
um fangreiche hb (i fch er Grujm enbildn ilf e gegen-
über, die von Mantegnas markgräflicher Familien
- und I löüingsgruppe im Kaftell zuMantua
ihren Ausgang nimmt, in den päp 11 liehen Ne-
potenbildniflen eines Melozzo, Raffael, Tizian
bedeutfame Schöpfungen bietet und dann zumal
i46
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0186