http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0214
SAVELY SORIN
FÜRSTIN EMSTOWA
druck für das Zeitgenöffifche im lerer Frau gefunden
. Sorin, der nicht nur unbekümmert um
alle modernen Probleme und Prinzipien der
Malerei arbeitet, der fogar um fie alle nichts
weiß — Sorin ilt in viel höherem Grade ein
Faktor der Zeit, als all die unabfehbare Schar
der Beftrebten, die Lotungen und Schlagworte
der radikalen Modernität proklamieren.
Eingangs hieß es: Sorin gibt den „Idealausdruck
der irdifchen Phyfiognomie" der modernen
Frau. Das ilt fo zu verliehen: er verleiht feinen
Porträts eine heimliche Monumentalität (die
wahrer und verfchieden ilt von jeuer äußerlichen
Vergröberimg, gewollten Kolollalität,
gewollten Bedeutlamkeit und programmäßigen
Monumentalität, die mancherorts geübt
wird). Sorin entäußert feine Frauengeftalten
jeglicher Intimität, gibt ihnen eine konventionell
gefellfchaftliche Phyfiognomie, d. h. holt nur
die Dame aus ihr heraus. Und wie zeitlos diefe
Damen durch ftilifierte, zarte, epochelofe Gewänder
, und durch keinerlei moderne Figur,
Silhouette, Haltung, diktierte Pofe erscheinen,
fie find doch alle in tieferem Sinne abfolut
modern. Diefer tiefere Sinn ilt: die Verober-
flächlichung der modernen Frau. Die moderne
Frau „ift dahintergekommen", daß fie kein
Herz hat, kein Gemüt, keine — Seele. Alles,
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