Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 175
(PDF, 97 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0219
Wie weit bei solchen Maßnahmen in Berlin mid
sonst im lieben Vaterland eine modische Aller-
weltsgleichmacherei mitspielt, ist hier nicht zu
besprechen, charakteristisch ist aber, daß die
eifrigsten Prediger solcher Nivellierungsbestre-
bungen entweder selbst gar keine werktätigen
Künstler oder Kunsthandwerker sind, sondern
philologisch gerichtete Köpfe, kunstpolitisierende
Galeriedirektoren, revoluzzende Doktoren
, Kunstintellektuelle aller Art oder solche,
welche beredt und tatendurstig, bei nicht ganz
zureichender künstlerischer Begabung unbefriedigt
, Ergänzung in der Öffentlichkeit der
äußerlichen Organisationen suchen und finden.
Denn als glänzende Redner fällt ihnen hier eine
vielbesprochene Führerrolle zu, eine Führerrolle
, die ihnen auf Grund ihrer künstlerischen
Schöpfungen von ihren Fachgenossen öfters
nicht freiwillig zu gebilligt würde. So daß schließlich
Eloquenz, forensische Begabung und geschickte
Pressepropaganda in diesen Fragen der
Kunst und Werkstatt über Gebühr ausschlaggebend
werden.

Deshalb halten wir die Pläne des preußischen
Kultusministeriums z. B. für falsch orientiert,
abgesehen davon, daß die Umstellung in Formen
erfolgte, welche stark an Sowjetmethoden erinnern
und welche für die deutschen Künstler
demütigend und empörend genannt werden
müssen. Deshalb glauben wir auch, daß in
München Stadt und Staat auf dem rechten Wege
ist, wo der große Plan wächst (siehe Arbeitsausschuß
der bildenden Küns tler), das breite Fundament
der Fach-und Handwerkerschulen, welches
wie wohl sonst nirgends bereits in Stadt und
Land besteht, auszubauen und zum Aufbau zu
benutzen. Dies wird freilich die mühevolle Arbeit
vieler Jahre und zäher Männer sein (und
von ihrer glücklichen Auswahl wird die Zukunft
abhängen), aber Stadt und Staat werden sich
belohnt finden durch einen reichen Nachwuchs,
handwerklich selbständig und jeder Konkurrenz
gewachsen.

Um die ganz wenigen genial Veranlagten haben
wir keine Sorge. Sie wollen auch gar nicht allzuviel
umsorgt werden. Sie werden in jeder
Werkstatt und Schule, ja oft hinter der Schule
nur das zu lernen wissen, was ihnen frommt,
während die große Masse durch eine vielleicht
nüchterne aber sichere Grundlage an Können
den Halt gewinnen muß, ohne den der einzelne
, auch bei liebenswürdigem Talent, untergehen
oder lebenslang pfuschen wird.

Max Liebermann

Die Reform der Hochschule für die bildenden
Künste war eine alte Forderung; schon
vor dem Kriege hatte die Berliner Akademie
der Künste eine Kommission eingesetzt, die
über eine Reorganisation der Anstalt beraten
sollte. Diese Beratungen wurden nach der Revolution
mit größerem Eifer wieder aufgenommen
und führten zur Einigung dahin, daß
die Kunsterziehung auf handwerklicher Basis
zu erfolgen hätte, da ihre eigene Grundlage ja
das Handwerk ist. Die Erziehung für das Kunsthandwerk
verspricht auch dem Minderbegabten,
sich eine ausreichende bürgerliche Existenz zu
schallen, während er durch die Ausbildung zur
freien Kunst ohne das für sie nötige Talent dem
Künsllerproletariat in die Arme getrieben wird.
Die nach dem Urteil ihrer Lehrer für die freien
Künste genügend begabten Schüler könnten
dann in den Meisterateliers lernen, was andere
sie nicht lehren können — sich selbst zu finden,
d. h. zum Künstler heranzureifen.
Zu dieser organisatorischen Verbindung trat,
durch die Not der Zeit gezwungen, die räumliche
Verbindung beider Anstalten. Daß sich
so einschneidende Veränderungen nicht ohne
Widerspruch vollziehen, ist klar, zumal die
ministeriellen Bestimmungen, die sie begleiteten,
vermuten ließen, daß aus der Verbindung eine
Verschmelzung der beiden Schulen hervorginge;
eine Vermutung, die durch die Ernennung
eines Kunstgewerblers zum Direktor der Vereinigten
Anstalten Gewißheit wurde.
Bestimmungen hin, Bestimmungen her; es
kommt auf den Mann an, der sie ausführt. An
die Spitze der Vereinigten Schulen gehört ein
Künstler, ein Maler wie SJevogt, ein Bildhauer
wie Barlach oder ein Architekt wie Poelzig.
Aber an die Spitze einen Kunstgewerbler stellen,
ist der Tod beider Schulen: denn es geht ebensowenig
an, aus der früheren Hochschule für
die bildenden Künste eine Kunstgewerbeschule
zu machen, wie aus der Kunstgewerbeschule
eine Kunsthochschule!

Hermann Muthesius

Die Frage, „ob die Vermischung der Angelegenheiten
der Akademien mit den
Dingen der Kunstgewerbeschulen unter den
jetzigen Verhältnissen als förderlich zu betrachten
sei", ist nicht einfach zu beantworten. An

*75


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0219