http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0221
BERNHARD SOPHER KNABENTORSO
Im Besitz der Stadt. Kunstsammlungen in Düsseldorf
liaber und Kunstfreunde, die in dem Ankauf
dieser Werke nicht irgend einen Nützlichkeits-
zweck erfüllen wollen, sondern allein ihrem
Schönheitsbedürfnis folgen. In der Erziehung
dieses akademischen Malers und Bildhauers
gibt es daher auch keinerlei Rücksichtnahme
auf das Nützliche. Es sind keine Beschränkungen
irgendwelcher Art vorhanden, der Schüler kann
hemmungslos auf die Verfolgung der reinen
und höchsten Ideale lossteuern. Ganz anders in
der „angewandten Kunst", zu der übrigens auch
die Architektur gehört. Hier handelt es sich
stets darum, einem Gebrauchsgegenstande die
Form zu geben. Wo sich das sogenannte Kunstgewerbe
von dieser ganz einfachen und selbstverständlichen
Aufgabe lossagt, gerät es allemal
auf Abwege. Es gibt kein abstraktes Kunstgewerbe
und keine abstrakte Architektur. Wird
das Bedürfnis in dem Bestreben nach abstrakten
Formen vergewaltigt, so kommt etwas Ungebührliches
, ein künstlerischer und wirtschaftlicher
Wechselbalg heraus. Für die Erziehung
folgt daraus das Gebot, von Anbeginn diese
Fesselung der „angewandten Kunst" an das Bedürfnis
zu betonen und im Bewußtsein des
Schülers aufrechtzuerhalten und zu pflegen. Er
Die Kunst für Alle. XXXX.
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