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H. STEINER-PRAG
AUS E. T. A. HOFFMANNS
PHANTASTISCHER GALERIE
In diefen Kreis Hellt fich, als ein Künftler von
eigentümlich - moderner Konftitution, Hugo
Steiner-Prag, der bildnerilche Buchfchmücker.
Er ift zwar auch, doch feiten nur, Maler, und
hat, außer für Bücher, auch in Einzelblättern
Graphik erzeugt oder in loferen Zeichnungen
feine Eingebungen niedergelegt. Doch der
Schwerpunkt feines Schaffens ift durchaus dem
Buch gewidmet. Er hat, wie fich das in folchem
Falle geradezu von felbft verfteht, feine eigene
Type gezeichnet, die lieh ebenfo dekorativ an-
fchaut wie lie fich angenehm lieft. Und was
auch fonft noch zum Buchgewerbe gehört, das
beherrfcht er, der als Profefior an der Akademie
für graphifche Künfte in Leipzig feit achtzehn
Jahren tätig ift, als vollendeter Fachmann.
Seine innerftc Liebe aber gehört dem in gra-
phifcher Form dem Buche beigegebenen Bild-
fchmuck. Hier erft kommt fein Intimftes, Indi-
viduellftes zum Vorfchein, feine am Gehalt des
Dichtwerkes entzündete Anfchauung und Phan-
tafie. Steiner muß ein fehr guter Lefer fein.
Ein hingebender, begeifterter, ganz erfüllter
Lefer. Ich glaube, er kann nicht lange lefen,
ohne daß fich ihm der Zeichenftift in die Hand
drängt. Die Worte der Darftellung wandeln fich
ihm, wie aus Naturdrang, in Bilder. In wirkliche
Bilder mit gefchlolfener Abrundung und mit
ausgeprägten Tonwerten. Dies unterscheidet
ihn prinzijriell etwa von Slevogt, der eigentlich
niemals Bilder, fondern ftets lauter zuckende
Bewegung lieht, die er aufs flinkfte fefthalten
muß, damit fie ihm nicht davonläuft. Flugo
Steiner aber ift in dem, was er illuftrierend
fchafft, die Ruhe und Beherrfchung felber.
Langfam und bedächtig fcheint, was er innerlich
fchaut, ihm aus dem Zeichenftift hervorzuquellen
. Und dennoch fteht hinter feiner Ein-
Die Kunst für Alle. XXXX.
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