Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 186
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H. STEINER-PRAG

AUS „BIBLIOMANEN"

gebung oft ein ganz eigentümliches Granen —
das indes, man möchte faft Tagen: als Wohlbehagen
empfunden und oft geradezu gelieb-
kolt und umfchmeichelt wird, und das jedenfalls
die gelalTene Ruhe der Darftellung in keiner
Weife Hört. Denn Hugo Steiner-Prag ift als
Buchilluftrator durchaus Graphiker; und nicht,
wie Slevogt, Federzeichner. Was er fchmückend
formt, das kommt entweder als Lithographie
auf die Steinplatte oder als Radierung auf die
Kupferplatte. An diefer gewichtigen und vornehmen
Herftellungsart hält unier Künftler
durchaus feit. Er ift fparfam mit feiner Buch-
ausfchmiickung; aber dafür muß fie ftets von
höchfter Gediegenheit fein.
Steiner üluftriert fowohl Moderne als Klafliker,
und mit ganz befonderer Vorliebe Romantiker.
Er felbft ift Romantiker durch und durch und
nichts liegt ihm ferner als der fpezilifch moderne
Rechen- und Spöttergent. Er trieft niemals
von Hohn und ift auch kein fozialiftifcher
oder proletarifcher Ankläger. Und jenes Uber-
fcharfe von Zeichnung, das Menfchen und Dinge

wie Schmetterlinge auffpießt, liegt ihm meilenweit
fern. Alfo ift er eigentlich ganz unmodern ?
Wenn man dem Wort durchaus eine partei-
politifche Färbung beilegen will, in der Tat.
AVer aber die moderne Seele ein wenig beffer
und tiefer kennt und wer auch nur von ferne
ihre ungeheuere Spannweite ermißt, der wird
lächeln müflen, fofern jemand den mit den
vorgefchrittenften Mitteln moderner Graphik-
technik arbeitenden Hugo Steiner für unmodern
erklären wollte — bloß weil er ein Romantiker
ift! Ja, hat denn nicht auch die Romantik Platz
in der modernen Seele? Mich dünkt, ße meldet
lieh gerade jetzt wieder f ehr deutlich zum Wort,
wo nach dem Kriege die Unzulänglichkeit des
Rationalismus mit jedem Tage deutlicher erhellt
und das myftifche und religiöfe Bedürfnis
mit fteigender Gewalt fich wieder Balm bricht.
Doch fei dem, wie ihm wolle — wir brauchen
hier darüber nicht zu ftreiten. Bloß an der einen
Feftftellung fei uns gelegen: daß Hugo Steiner-
Prag, in welche Zeiten und Empfindungsklimen
fein geftalterifches Fühlen auch entfehweifen

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