Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 192
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zwifchen und Lerchen fchwingen fich tirilierend
durch den Äther.

In allem diefem wirkt der Menfch nur als Er-
fcheinung der Atmofphäre, der faktifchen wie
der feelifchen. Und menfchliche Vorgänge vollziehen
fich, als feien ße eine Ausgeburt der
Lokalität, an der fie fich begehen. Greift der
Darfteller über dief e Art und Weife hinaus und
fucht ftrenger fachlich und fzenifch genau zu
werden, lo leidet er wohl mitunter Schiffbruch
oder bleibt im Fahrwasser des Gewöhnlichen
Hecken. Ein eigentlicher Menfchendarfteller ift
IIngo Steiner-Prag nicht; wenigftens nicht im
Sinne des Realismus. Er ift auch hier typifcher
Romantiker und darum gelingen ihm geheimnisvoll
-umwitterte oder irgendwie feltfam fchil-

lernde Figuren, wie fie etwa die Welt E. T.A.
Hoffmanns und Guftav Meyrincks bevölkern, in
befonderem Maße. Das Abgründige der Seele
in Antlitz und Erfcheinung auffchimmern zu
laffen, zwielichtig-dräuend und abwegig-ver-
funken, doch manchmal auch bis hart ans Groteske
ßch herandrängend, hierzu verrät Steiner
eine ganz ungewöhnliche Begabung. Er felblt
iß; nicht einfach, fondern fehr kompliziert; aber
in feiner Kompliziertheit von bannender und
zwingender Stärke. Darum ift er auch ein
Meifter komplizierter Bildftimmungen und auf
dem fcheinbar fo einfachen Inftrument der
Schwarz- und W^eiß-Technik ein virtuofen-
hafter Spieler, voß tiefer Bravour und berückender
Seelenhaftigkeit. Franz Servaes

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