Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 197
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CONSTANTTN GERHARDINGER

BILDNIS FRAU DR. KNALLÜ

wieder sind da Beurteiler, die vor seiner Malerei
den Namen Vermeer aussprechen; ein Franzose
nannte ihn einmal einen dem Grabe Holbeins
Entstiegenen, dem der Meister einige seiner wichtigsten
Geheimnisse anvertraute. Aber gleichzeitig
war die zeitgenössische zünftige Kunstkritik
am Werk und nannte Leibis Malerei
„sozialdemokratisch". Sie wollte damit ihrer
Meinung Ausdruck geben, daß die Malerei des
Meisters mehr als fortschrittlich gewesen sei.
Wie stand es in Wirklichkeit um das Problem
Leibi, um die Vereinigung von Fortschritt und

Tradition in einer Person, in den Schöpfungen
einer Hand? Leibi war ohne Zweifel das, was
man heute einen „modernen Menschen" nennen
würde, wenn er sich auch äußerlich nicht so
gab, sondern nach Lebenshaltung, Erscheinung,
Denkweise und Gespräch von den heutigen „modernen
Menschen" unbedingt als Philister angesprochen
würde. Seine Modernität oder Fortschrittlichkeit
war eben einer höheren Art, mehr
empfindungsmäßig, aber doch auch in seinem
künstlerischen Ausdruck vorhanden, was der
wohl empfindet, der Sinn hat für die Sublilitäten

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