http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0262
WALTER PÜTTJNER
STILLEBEN
bediente das Klavier. Kein Auge blieb trocken.
Wenige Wochen später brach der Krieg aus
und zerstörte Pläne, die neben der Ausstellung
mit dem Graphik-Verlag geschmiedet wurden.
Wir gaben eine kleine Zeitschrift, das „Zeilecho
", heraus, das später nach Berlin in andere
Hände kam und schließlich das Gegenteil von
dem brachte, was wir geben wollten. Im März
folgten wir einer Einladung des Münchner
Kunstvereins und stellten dort aus. Die Ausstellung
nahm einen sehr bewegten Verlauf und
hat beinahe mit einer solennen Prügelei geendet
. Ein bezeichnender Ausspruch aus jener
Zeit sei vor dem Vergessen werden bewahr!, wie
er längst wegen seiner Originalität verziehen
ist: Ein hoher Beamter bekannte, es wäre ihm
lieber, die Maler hingen an den Wänden als
ihre Bilder.
Im Mai 1915 fiel Weisgerber, aufs tiefste von
uns betrauert. WTir haben sein Andenken durch
eine Ausstellung seines Werkes und durch eine
von Hausenslein geschriebene, bei Piper verlegte
Monographie zu ehren versucht. Trotz
der Ungunst der Zeiten haben wir auch während
des Krieges Ausstellungen veranstaltet.
Während der Revolution wurde die Münchner
Neue Secession heftig in den Strudel der Ereignisse
gezogen. Schade, daß von den vielen
Kunst lerversamm hingen jenerTage keine Stenogramme
vorliegen, selten ist wohl so viel Unsinn
über Kunst geredet worden wie damals.
Allerlei Dilettanten und Querköpfe, deren Talent
nicht ausgereicht hatte, in normalen Zeiten
hochzukommen, ersahen diese einzige Gelegenheil
, „da zu sein".
Gleich in den ersten Tagen hatten wir im klei-
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