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OTTO KOPP
KOMPOSITION
iien Kreis eine Besprechung der neuen Lage,
zu der wir einige namhafte Künstler eingeladen
hatten. Man saß in dem überfüllten Nebenzimmer
der Osteria Bavaria. Da öffnete sich ein
Spalt der Türe, eine mysteriöse Hand mit einem
Zettel kam zum Vorschein, der sich als ein Befehl
der Eisner-Rcgierung darstellte, die Uber-
bringer an unserer Beratung teilnehmen zu
lassen. Die Sitzung war verraten worden. Die
Gesandten erschienen, ein baumlanger schmaler
Akademiker und hinter ihm ein zwergenhafter.
Sie haben sich sehr bei uns gelangweilt mid erklärten
, das sei alles viel einfacher und schöner,
als wir uns vorstellten. Wenn wir nur wollten,
so schenke uns Eisner die Akademie, wie er
heute morgen den Bühnenkünstlern das Hoftheater
geschenkt habe. Alle künstlerische Produktion
werde Staatsbesitz usw., jetzt ginge ja
überhaupt erst das Leben an. Wir haben herzlich
gedankt. In der Rätezeit haben Mitglieder
unserer Vereinigung unter schwierigen Umständen
die Interessen der Kunst gegen den
„Aktionsausschuß revolutionärer Künstler", der
an alles mehr dachte als an Kunst, verteidigt
In dieser Zeit der Rede- und der Räterepublik
versuchten weite Kreise der Künstlerschaft eine
Organisation zu gründen, die dem Innungs- oder
Gewerkschaftswesen nachgebildet war. Wir haben
uns dagegen gesträubt, weil wir uns nicht
von Stimmen majorisieren lassen wollten, die
für uns kein Gewicht hatten und uns so den
Haß mancher Verbände zugezogen. Wir sind
überzeugt, daß wir dadurch die Kunst vor
Schaden bewahrt haben. Sie ist nicht im Besitz
von Vielen sondern von Wenigen, die vor
den Interessen der Vielzuvielen häufig geschützt
werden müssen.
Im Sommer 1920 konnten wir dank dem Entgegenkommen
des Ministeriums für Unterricht
und Kultus Ausstellungsräume im Glaspalast
beziehen, die uns etwas mehr Bewegungsfreiheit
boten, freilich nicht soviel, als wir bräuchten.
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