Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 240
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DER VERKLÄRTE THOMA

Der letzte Thoma, der langsam Sterbende, bot genannt hat, um sein Andenken festzuhalten,
ein Bild von Verklärung, das niemand, der Für das deutsche Volk war er als Künstler und
ihn in diesen Jahren besucht hat, wird vergessen Mensch seit Jahren zu einer Phantasiegestalt
können. Man stieg in seine Wohnung über eine geworden. Er schien der treue deutsche Eckknarrende
Holztreppe hinauf. Es war die alte hard geworden zu sein. Man fühlte, hier war in
Amtswohnung des Galeriedirektors, die näm- der allgemeinen Erschütterung ein Ort uner-
lichen Räume, die er als junger Bursch wohl schüttelt geblieben. Aber keine der neuen Par-
mit klopfendem Herzen betreten, um den teien wagte es, ihn für sich in Anspruch zu
damaJs gewaltigen Herren der Kunstschule nehmen. Sein Name trennte nicht, sondern veraufzuwarten
. Man fand Thoma auf einem einigte. Auch in den „modernsten" Kunstaus-
Eiegestuhl am Fenster, wo durch ein rotes Stellungen dieser vergangenen Jahre pflegten ein
Geraniumgitter die Baumkronen des Botani- paar Bilder von Thoma einen vor Unwetter gesehen
Gartens und der Himmel der Rhein- schützten Platz zu bilden, an dem alle Stürme
ebene hereinsahen. Die Augen des Liegenden wildgewordener Theorien und alle jugendlichen
waren beredt wie immer und noch etwas war Plerausforderungen vorübertobten. Seine Kunst
wie immer, der Mund redete gern. Was er grub sich in das Herz der Nation, und eine
über die Leiden des Vaterlandes sagte oder die große Liebe strömte zu ihm zurück. Ja, über
alten Zeiten, über seine Kunst und die der an- das künstlerische Gebiet hinaus, wo immer in-
deren, hatte einen Klang der Entferntheit, Ge- mitten von Elend und Verfall öffentliche Kund-
lassenheit und Höhe, der erschütterte und erhob. gebungen Höheres und Geistiges zu wecken
Es war, als sähe er schon alles von dem ihm wünschten, da kam man zu Thoma, um seine
vorbehaltenen Platz am Himmelsfenster her, Unterschrift und Hife zu erbitten. Sein Name
entrückt von Ort und Zeit, hoch, hoch über der klang wie eine Glocke, die Andacht erzwang,
Stadt und Straße, die man Hans-Thoma-Straße durch das deutsche Land und Volk.

(Aus der Gedächtnisrede von Carl Neumann am i4. Dez. 1924, erschienen bei Richard Weißbach, Heidelberg 1925.)

VITTORE CARPACCIO SCHREIBTISCH-STILLEBEN
(Aus den Gemälden der „Ursulalegende", Venedig, Akademie)

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