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JAN STURSA
EVA
WOLKEN UND BERGE
Erlte Radierungen des Hamburger Malers RodewaJd
Der Harn burger Maler Rodewald — geboren
zwar im Braunfchweigifchen 1891, doch To
früh nach Hamburg übergefiedelt, daß man ihn
als Hanfeaten anfprechen darf — hat einen
Zyklus „Wolken und Berge" radiert, der zu den
bedeutendften Radierwerken der Gegenwart gezählt
werden muß*). Bisher zeichnete und malte
Rodewald. Anfangs ganz formale, genau errechnete
Sachen, um — nach feinen eigenen Worten
— aus Form und Farbe W ände um fich herum
zu bauen, die ihn abfchloffen von allem Ge-
wefenen. Dann hatten eines Tages die Übungen
ein Ende. Er trat an die Öffentlichkeit - - Hamburger
Sezeffion 1920 — mit Gemälden, die
teils verblüfften,teils Begeiferung erzeugten und
als „Kraftäußerungen" eines neuen Talentes
*) Erfchienen im Verlage der Bücherftube Severin, Hagen
(Weltf.) 192-1. Ausgabe A Nr. 2—n enthält 24 Blatt, da alle
Zuftände der Platten beigegeben lind. Ausgabe B Nr. 12—50
enthält außer den 8 endgültigen Drucken 2 Zuftände.
Ausgabe C Nr. 51 —120 enthält die endgültigen Drucke.
wirkten. W as von vorneherein als klar erfchien,
war das Können Rodewalds. Er war nicht mit
jenen Expreflioniften a la mode zu verwechfeln,
die allenfalls guten Willens, aber bar von allem
Können waren, er hatte gearbeitet und jedes
Werk leiner Hand war Handwerk, gute Arbeit,
war gekonnt: Landschaften, Bildniile, eine Madonna
. Seine Gemälde zeugten von leinen
Übungen, lie waren klar, rein, von vorneherein
feftgelegt: in der Konzejation lagen bereits alle
Mittel der letzten Ausführung begründet. So
bekamen feine Bilder eine unerhörte Intenfität.
Die Formen voll unheimlicher Spannkraft, die
Farben in leuchtender Stärke. Er nutzte die
Technik der alten Meifter, er untermalte die
Ölfarbe mit Tempera, und Itets zeichnete er
fich vor den vielen anderen durch die einwandfreie
Bcherrfchung des Technifchen aus.
Als Freunde den Maler Rodewald aus der Sec-
ftadt in die Berge mitnahmen, erfüllte fich ein
früher Jugendtraum des Künitlers. Einft als
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