Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 256
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mann, Corinth und Slevogt beruht das, wie ich
höre, auf unglücklichen Zufällen, denn die Aus-
stellungsleitung hat sich um sie bemüht, schon
um einen Maßstab für das Niveau der Ausstellung
zu geben aber auch weil erst mit diesen
führenden Meistern die Ausstellung ein abgerundetes
Gesamtbild der heutigen deutschen
Malerei geben wird.

Aus München sind eine Anzahl von Künstlern
vertreten, bei denen sich die alten verführerischen
und gefährlichen Vorzüge der Münchener
Malerei wieder einmal deutlich erkennen
lassen: Tradition und Schule führen leicht zu
einer geschmackvollen, bestechenden, abgerundeten
Fertigkeit, die liebenswürdig und angenehm
ist, aber noch nicht schöpferische Kraft
bedeutet. Die „Scholle" war einmal der Hauptsitz
dieser bravourvollen Pinselgymnastik, und
Erich Erler-Samaden ist ein typischer Vertreter
ihrer Art, ebenso wie der malerisch lebendigere
Bauriedl mit seinen breit hingesetzten
feintönigen Landschaften und der mit schmissigen
Tierstücken und afrikanischen Motiven
reichlich vertretene Otto Dill. Wieviel größer
steht daneben die feierlich klassische, trotz ihrer
fast ungelenken Trockenheit so monumentale
Landschaft des Grafen L. v. Kalckreuth! Die
meinetwegen altmodisch anmutende solide Sachlichkeit
der malerischen Behandlung bewährt
sich bei diesem vor bald zwanzig Jahren gemalten
Meisterwerk aufs deutlichste. Glänzend als
Techniker und jeder Aufgabe gewachsen zeigt
sich Ulrich Hübner. Seine Palette ist reich und
saftig geworden, seitdem er die silbrig tonigen
Motive der Lübecker Bucht mit denen der Potsdamer
Havelseen vertauscht hat. Uberragend
an altmeisterlichem Können steht sein Selbstbildnis
da. Es ist locker und flüssig hingestrichen,
hinausgehend über die Auffassung Liebermanns,
moderner in Aufbau und Farbe und dabei doch
Bildnis im besten Sinne des Wortes. Ein Vergleich
mit den leicht kubistisch stilisierten,
in der Fläche mit dekorativer Absicht spielerisch
aufgeteilten Bildnissen von Burger-Mühlfeld, die
nur in der Behandlung der Köpfe noch um eine
Naturwiedergabe sich bemühen, läßt deutlich die
Überlegenheit Hübners erkennen. In einer Zeit,
in der erträgliche Bildnisse so selten geworden
sind wie heute, verdient auch die geschmackvolle
, leicht und frisch hingesetzte Gruppe einer
jungen Mutter mit zwei Kindern von Linde-
Walter als erfreuliche Leistung hervorgehoben

zu werden. Etwas dünn in ihrer ganz körperlosen
Flächigkeit und unlebendigen Farbe, aber
überzeugend in der zeichnerischen Charakteristik
sind die beiden Frauenbildnisse von Heit-
müller. Eine sympathische Art, in der alten
Schule erworbenes solides Können in moderner
Weise anzuwenden, verraten die Gemälde von
G. Wiethüchter, am meisten der große Akt mit
der Tulpenvase; man freut sich jedenfalls, daß
die Ausstellung das Moderne an sich nicht ablehnt
: Ein Kunstverein kann sich nun einmal
nicht zum Richter der Zeiten machen wollen.
Ebenso freut man sich an der liebevollen Art,
in der das Schaffen des verstorbenen E. P. Jordan
in Erinnerung gebracht wird, des Mannes,
der jahrzehntelang Ausstellungsleiter des Kunstvereins
gewesen ist. Man stellt mit hoher Anerkennung
besonders vor seinen kleinen Aquarellen
fest, welch feiner, subtiler Kunst dieser
später verbitterte und verbrauchte Maler doch
fähig war. Sein junger Nachfolger im Amt als
Ausstellungsleiter, der Maler Friedrich Karl
Lippert, zeigt sich nach seinen Beweisen als tatkräftiger
Organisator, als Künstler mit einem
bravourös gemalten und interessantkomponier
ten Tierstück. Unter den Landschaften sind
wenige die so selbstverständlich und groß gesehen
sind und dabei farbig rein und feinfühlig
erfaßt wie „Das stille alte Haus" am beschneiten
Abhang von Wilhelm Otto. Weitere Arbeiten
die wir gern aus der Menge herausheben wollen
, sind eine Landschaft von Seifert-Wattenberg
und zwei figürliche sehr klangvolle Kompositionen
von Karl Wiederholdt. Bei den Bildhauerwerken
ist der in den großen Hauptformen
ebenso sicher erfaßte wie im einzelnen mit
feinem Takt durchgearbeitete Bildniskopf J. v.
Hammersteins sowie die überlebensgroße freistehende
Frauengestalt von Herting, die als
Gartenplastik gedacht ist, als bedeutende Leistung
hervorzuheben.

Nehmen wir die vielen Fortschritte in der Auswahl
des Ausstellungsgutes, in der Ausstattung
und Benutzung der Räume, in der Zusammenfassung
der Künstlerschaft aller Richtungen zur
Mitarbeit, als Erfolge der frischen Tatkraft des
Vorstandes und besonders des Malers Friedrich
Karl Lippert zusammen, so verdient diese Ausstellung
als ein guter Auftakt, der für die Zukunft
den Kunstfreunden noch reiche Früchte
verspricht, Anerkennung und Unterstützung
als Ansporn zum zielbewußten Weiterarbeiten.

Professor Dr. Schaefer

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