Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 295
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L. WELDEN

„BEIM GREANEN PAPPEEL" (AQUARELL. 1817)

Fronten der Hildebrand tschen und Fischerschen
Paläste und der vielen namenlosen Schöpfungen
aus der Blütezeit des Barock, die nach der
zweiten Türkenbelagerung (1683) einsetzte
und mit dem Siegesgefühl der Befreiung aus
der Gefahr bis zur stärksten Betonung einer
reichszentralistischenMachtstellung in der Mitte
des achtzehnten Jahrhunderts anwuchs — diese
Fronten waren mit ihren flachen Pilastern, mit
ihrem feinnervigen ornamentalen Geäder, mit
ihrem skulpturalen Schmuck ganz auf die Nahsicht
und Nacheinandersicht eingerichtet, die
ihnen die schmale Gasse, in die sie gestellt
waren, aufgezwungen hatte.
Anders bei den Palästen der Vorstädte. Dort
waren die Sejours der großen Fürsten, der
Schwarzenberg, der Liechtenstein, des Prinzen
Eugen von Savoyen, die alle überdies in
der Stadt ihre Winterhäuser besaßen. Dort
waren die behäbigen Villen der wohlhabenden
Bürger, die auch in der Sladt drinnen ihre
Wohnungen hatten. Mein Gott, waren das einmal
Entfernungen! Friedrich von Gentz, der
bekannte Staatsmann der Kongreßzeit, nimmt
förmlichen Abschied, bevor er zu Beginn des
Sommers nach Weinhaus übersiedelt, von seinen
Freundinnen, die ihre Villegiatur in Hiet-
zing beziehen. Heute kommt man in wenigen
Minuten mit der Stadtbahn oder dem Automobil
von einem dieser entlegenen Pole zum andern.
Die Stadt ist dieselbe geblieben, aber nicht die
Zeit. Und in der andern Zeit werden die aufs
geruhsame Andante gestimmten Häuserzeilen,
die im prächtigen Adagio aufrauschenden Paläste
inmitten der langatmigen Resonanz ihrer
Gärten zu wehmütigen Romantizismen. Wie
ein versunkenes Märchen träumen die Bäume
des Liechtensteingartens um das Sommerschloß
in der Rossau (Wien IX), das der italienische
Wanderarchitekt Dominico Martinelli als reines
, völlig konzessionsloses Musterbeispiel seiner
Heimatkunst am Ende des siebzehnten Jahrhunderts
in das kältere Schwesterland hergesetzt
hatte; geheimnisvoll breiten sich die beschatteten
Wiesen um ihre Stämme, während
draußen die Mauern hinauf die einfassenden
Straßen Schicht um Schicht, Pflaster um
Pflaster aufwachsen. Wie eine Fata Morgana
schwebt am Horizont der klarfacettierte Edelstein
des Schwarzenbergpalais, die letzte, die
Abschlußkulisse, jenseits der distanzlegenden
Plätze und Bassins und Terrassen aufge-

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