http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0370
J. P. STEINEL
BILDNISBÜSTE RICHARD
WINTERNITZ
men naturgemäß zugleich auch eine solche mit
dem Zeitsiii, den wir „innerlich bewegte Ausdruckskunst
" nennen möchten. Die Bronzen
„Daphnc und Eva" zeigen deutlich eine Weiterentwicklung
auf diesem Wege, die weibliche
Gruppe der Kunsthallc Mannheim und vor allem
die Terrakottagruppe wohl einen Höhepunkt.
\\ enn Kunst nicht erstarren soll, darf sie sich
allen neuen Problemen nicht völlig verschließen
, mag auch im Grunde immer erst die Zukunft
über den Grad der Berechtigung solcher
neuen Bestrebungen entscheiden. Man wird vor
diesen letzten Werken feststellen, wie sie alle
von einer heftigeren Intensität des geistigen Erlebnisses
, der geistigen Spannung und Erregung
erfüllt sind, wie aber die Form selbst, mag sie
auch mehr und mehr aus der Vorstellung heraus
geboren werden, niemals vernachlässigt erscheint
. Denn nach wie vor ist das Modellstudium
auch jetzt noch das Primäre, wie das die
nach dem Modell ausgeführten Ton-Skizzen
im Atelier des Künstlers zur Genüge beweisen.
Aber bei der Ausführung wird das Vielerlei
auf ein Weniges, das Zufällige auf das Wesentliche
beschränkt und überall bewußt eine erhebliche
Vereinfachung erzielt. Es scheint uns,
als ob der Stimmungsgehalt der Einzelfigur und
der Gruppen gewonnen hat. Auch dürfte es
begreiflich erscheinen, wie gerne man gerade
Stemel neben dem Bildnis auch die Aufgaben
großer Friedhofskunst gestellt hal. Und sollte
nicht dieser, hier nur ganz kurz skizzierte Entwicklungsgang
, so wie wir ihn zu verstehen vermeinen
, über manche moderne Strömungen,
wie sie unverkennbar vorliegen, hinaus doch
wieder zum Ausgangspunkt, zu einer Art moderner
Klassik — nur scheinbar ein Widerspruch
— zurückführen? Nasse
3 o't
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