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1 .AM
RUDOLF SIECK
LANGBÜRGNERSEE
Glaspalast München. Secession
früher. Die Künstlergenossenschaft, die einmal
in Gefahr geraten war, zu versumpfen und zu
stagnieren, hat— es war dies vor allem ein Verdienst
Karl von Marrs —, sozusagen in letzter
Stunde sich eine Reihe von tüchtigen jüngeren
Künstlern anzugliedern gewußt, die erfreulicherweise
nicht als Mitglieder zweiten Ranges, die
sich die guten Plätze in den Sälen erst „erdienen
" müssen, behandelt werden, sondern deren
Werke mit an den bevorzugten Wänden hängen
.
So dominiert in dem schönen ersten Saal
mit drei großen Gemälden Konstantin Gerhardinger
, der besonders dem spröden Stoff eines
nicht eben malerischen Damenantlitzes ein überaus
eindrucksvolles, groß und breit gemaltes
Porträt abgewann. Die gegenüberliegende Wand
gehört Theodor Raierl, der in seiner altmeisterlich
innigen Weise, die indessen nirgends des
Zusammenhanges mit der Gegenwart und ihren
Stimmungen entbehrt, wieder eine Reihe feiner
erzählender, ruhevoller Rilder geschaffen hat.
Der mächtig vorwärtsgreifende Landschafter
Miller-Diflo und der ein wenig ältere und besonnenere
, aber erst in seinen mystisch-geheimnisvollen
Landschaften der letzten Jahre sein
eigenstes Wesen offenbarende Müller-Wischin
sind hier angesiedelt, und in benachbarten Sälen
sieht man mit Werken von eindrucksvoller
Künstlerschaft Walter Ditz, der ins Musikalische
strebt und einen durch lebhafte, temperamentvolle
^Empfindung gesteigerten und geadelten
dekorativen Zug in seine Rilder trägt, Raumhauer
, der neue Klänge in die religiöse Malerei
unserer Zeit zu bringen weiß, Raumgartner, dessen
Rildnisse so nobel sind, ohne daß sie darüber
etwas von ihrer ausgesprochen malerischen Art
preiszugeben hätten, Lois Gruber, August Herzog
, Harald Tillberg, Fritz Skell, Ernst Haider,
Albert Stagura, Erwin Knirr, Hans Rest, Rim-
boeck und andere, die nicht zu den Offiziellen
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