http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0398
HERMANN GROEBER
BAUERNTISCH
Glaspalast München. Secession
der Genossenschaft gehören, aher gerade um
dessentwillen eine erfreuliche Auffrischung
hereinbringen.
üei der Secession ist diese „Aufmischung" auf
andere Weise bewirkt. Seit vielen Jahren gab
es hier kaum mehr Gäste. Die Transportschwierigkeiten
und die hohen Versicherungskosten,
das waren Momente, die gegen eine Beteiligung
auswärtiger Künstler sprachen, auch der Umstand
, daß man die relativ geringe Ausstellungsfläche
gerne für sich haben wollte. Und schließlich
war da der nie ganz und völlig begrabene
Antagonismus zwischen Berlin und München.
Aber jetzt hat sich das Blatt gewendet. Kürzlich
war die Münchner Neue Secession bei
der Berliner Akademie zu Gaste, und nun
hat die Münchner Secession die „Prominenten
" der fortschrittlichen Berliner Künstlerschaft
zu sich gebeten. Dadurch erhielt besonders
das berühmte Achteck, die „Tribuna"
der Secession, ein neues Gesicht. Neben den
Münchner Größen Samberger, Stuck, der diesmal
auch als Plastiker wirkungsvoll hervortritt,
Diez und Herlerich sind hier Max Liebermaim
und Max Slevogt vertreten. Liebermaim mit
dem geisterhaften Bildnis Einsteins und dem
späten Selbstporträt mit dem Strohhut, Slevogt
mit älteren Gemälden, von denen besonders die
Danae ihre Geschichte hat: sie wurde nämlich
einst aus einer Münchner Secessioiisnusstellune;
entfernt, weil man von allerhöchster Seite an
dem „Sujet" Anstoß nahm — heute wirkt das
Bild so dezent und still, daß man sich an den
Kopf greift und fragt: Wie war dies möglich?
In anderen Sälen und Kabinetten findet man
von Berlinern u. a. Lovis Corinth, Max Pech-
stein, Hans Baiuscheck, Josef Bato, Hans Ger-
son, Erich Heckel, Ulrich Hübner, Max Kaus,
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