http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0422
RICHARD SEEWALD
GIRGENTI
Glaspalast München. Neue Secession
DIE NEUE SECESSION
In strengster Auswahl sind etwa zweieinhalbhundert
Kunstwerke aus einer sehr großen
Menge von Einsendungen zu einer Ausstellung
vereinigt, die zu den wirkungsvollsten gehört,
die seit dem Bestehen der Neuen Secession gezeigt
wurden. Es ist heute alles abgeklärter geworden
, verhaltener, reifer, männlicher. Man
ist versucht, zu sagen, daß mit dieser Ausstellung
für die Neue Secession als Ensemble, aber
dadurch eben auch für die meisten ihrer Mitglieder
, ein neuer Entwicklungsabschnitt beginnt
. Die Ausstellungen der Neuen Secession
waren stets gnte Barometer für Kunstwitterung.
Zeigt das Barometer diesmal richtig, so scheint
es, daß ein neues Viertel eingeht. Man strebt
der großen Ruhe, der Reife, Ernte zu.
Unold malt heute in einer viel geschlosseneren
und gleichzeitig zugänglicheren Weise als bisher
: aus dem kämpferischen Abschnitt tritt er
mit siegerischer Geste in neue Bezirke. Mit ihm
die alten Führer der Gnmpe: Scliinnerer, der in
seiner „Nachtlandschaft" ein interessantes Be-
leuchtungsproblem löst, Karl Caspar, dessen
„Paradies" in schöner, schlichter Herzlichkeit
die keuscheste aller Bibclidyllen ins Malerische
übersetzt, Maria Caspar-Filser mit ihren farbigen
Blumenfeuerwerken und mit den tiefen,
nun sich malerisch gesetzt auswirkenden Landschaf
t serlebnissen ihrer i talienischen Reise,Brüne
mit koloristisch ungewöhnlich feinen Arbeiten,
Josef Eberz, dessen Bildnis der Tänzerin Maria-
graete an die schönsten französischen Impres-
sionistenpastclle gemahnt, dabei aber ganz eigen
und viel innerlicher ist, Gött mit Landschaften
und Figurenbildern, Julius Heß mit abgeklärten
schönen Leistungen einer ihrer Spannung sicheren
, männlich reifen Kunst, Lichtenberger
mit seinen Ballett- und Theatermotiven von
immer neuem Reiz, Püttner mit kraftvollen
Stilleben, Kopp mit Kompositionen, die auf
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