http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_51_1925/0431
JOH. FRIEDR. DIETERICH
BARONESSE v. MAUCLER
DIE AUSSTELLUNG DER SCHWABISCHEN KUNST DES
19. JAHRHUNDERTS IN STUTTGART
Die Werke der Kunst und Wissenschaft unserer
Zeit offenbaren den Drang, eine Zusammenfassung
der Splitter unseres geistigen
Lebens nach all den Verworrenheiten der jüngsten
Zeit herzustellen. In der Tat beginnen auch
die Wunden, die der überspitzte Subjektivismus
geschlagen hat, sich langsam zu schließen und
diesem Vorgang entwächst die Erkenntnis, daß
die Auflösung starrer Formeln notwendig war,
um ein reiferes Gefühl für Form und Ordnung
wieder zu gewinnen. Der Aufgabe, unsere Sinne
durch einen Rückblick auf die Entwicklung der
vergangenen Kunst für die Forderungen der Gegenwart
zu schärfen, will auch die Ausstellung
der schwäbischen Kunst des 19. Jahrhunderts
dienen. Sie ist in dem eigens für die Zwecke
der Ausstellung errichteten Gebäude aul dem
Interimstheaterplatz untergebracht, das nach
Plänen von Professor Bernhard Pankok in einfachen
aber sehr ansprechenden Linien erstellt
worden ist. Die Anregung zu dieser repräsentativen
Ausstellung war schon vor einem Jahrzehnt
von dem jungen, im Feld gefallenen Stuttgarter
Schriftsteller Dr. Plans Otto Schaller
ausgegangen. Galeriedirektor Dr. Fischer hat
neuerdings den Gedanken aufgegriffen und mit
Tatkraft und Umsicht zur glücklichen Verwirklichung
geführt. Und es war in der Tat keine
geringfügige Arbeit, die meist in Privatbesitz
befindlichen Bilder der schwäbischen Meister
Die Kunst für Alle. XXXX, 12. — September 1925
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