Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 355
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JOHANN B. SEELE

WÜRTTEMBERGISCHE SOLDATEN IN DER SCHENKE

J. F. Cotta gemalt, der auch als freigiebiger
Gönner schwäbischer Künstler großes Ansehen
genoß. Frau von Cotta ist in ein weißes Empiregewand
gehüllt, das sich von einem roten Schal
wirksam abhebt. Neben ihr liegt ein Schirm in
grüner Farbe, der die Farb wirkung noch erhöht.
Auf diese Periode der eigentlichen Klassizisten
folgt eine solche malerischen Wachstums, die
sich in größerer Eigenart in Farbe und Form
kundgibt. Der von der Klassik ausgehende
Künstler abstrahiert die Erscheinung aus dem
Lebensprozeß, der sie erzeugte. Er sucht von
der Form her das Leben und das Individuelle
muß stets auf ein allgemein Menschliches zurückgebracht
werden können, damit in dem Beschauer
eben dieses in Wirksamkeit trete und
das Verständnis vermittle. Seine Arbeit ist von
der griechischen Auffassung beeinflußt, daß
Gleiches nur durch Gleiches erkannt werden

kann. Die den Klassizisten nachfolgenden
Künstler suchten mehr vom Leben her die
Form zu schaffen. Sie hatten ein Gefühl dafür,
daß in unserem Dasein noch Dunkles, von der
Lebensbewegtheit noch nicht Durchsetztes waltet
. Ihnen birgt auch die Farbe Sinnlicheres, ihre
Wirkung ist ihnen tiefer und geheimnisvoller.
Sie wollen in die Dunkelheiten des Daseins
hinabtauchen, vor denen die Klassik Scheu empfunden
hat. Ein Schimmer der Auswirkung solcher
Auffassung kündigt sich bereits bei zwei
schwäbischen Meistern an: bei Franz Seraph
Stirnbrand (1788—1882) und bei dem um
einige Jahre älteren J. ß. Seele (1774—1814),
dessen Genre- und Solciatenbilder sich außerordentlicher
Beliebtheit erfreuten. Ein geistvoll
aufgefaßtes Porträt einer Unbekannten zeigt
Chr. Doerr (1783—i84i), der zuletzt Universitätsmaler
in Tübingen war. Auch einige Ar-

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