Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 51. Band.1925
Seite: 370
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MALER DES ICH

Einige Säle des Palazzo Pitti füllen, als einzigartiges
künstlerisches Fremdenbuch, die Selbstporträts
von Malern eines halben Jahrtausends.
Angehörige der verschiedensten Nationen haben
hier mit ihrem Bilde ihre Namen eingezeichnet.
Die Züge ihrer Hand sind zuweilen schon von
weitem kenntlich, so wenn Rembrandt das ganze
Licht des Gemäldes in seinem Gesichte sammelt,
oder Dou sich im Rahmen eines offenen Fensters
vor dunklem Hintergründe darstellt. Bei manchen
aber ist die Schrift, einst kräftig und wohlbekannt
, heute schon verblaßt. Wenn Raphael
Mengs sich in ein weites, faltiges Gewand hüllt
mit erheblichem Aufwand von Stoff und weichem
Braun, Mappe und Stift in der Hand, erscheint
sein glattrasiertes Gesicht und seine ganze Haltung
nur erfüllt von zukunftsberechnender Pose;
an den einst so geschätzten Begründer der klassizistischen
Malerei aber denken nicht mehr viele.
Wer nun eine größere Anzahl von Werken eines

Meisters kennt, macht sich fast unwillkürlich
eine Vorstellung von seinem Äußern, entwirft
ein Bild seiner Persönlichkeit, das freilich mit
der Wirklichkeit des Selbstporträts nicht immer
übereinstimmt. Man erwartet in dem Bourgui-
gnon einen kriegerisch aussehenden Menschen
und findet einen bartlosen, etwas schüchternen,
ja ängstlichen Mann, und nur der Hintergrund
mit der Andeutung eines Schlachtengetümmels
unter düster drohenden Wolken gemahnt an die
Kämpfe, deren Schilderung sich an seinen Namen
knüpft. Und der jüngere Holbein, der sich
ein Jahr vor seinem Tode als „Joannes Hol-
penius Basilensis effigiator sui ipsius" im Alter
von 45 Jahren gezeichnet hat, erscheint trotz des
goldenen Grundes nicht als der Freund Erasmus'
von Rotterdam, als der Hofmaler Heinrich VIII.,
der Porträtist der königlichen Familie und des
englischen Adels, sondern als ein recht kleinlicher
Nörgler von beschränkter Bürgerlichkeit,

37°


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