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OBERBAURAT EISENLOHR - STUTTGART GESAMT ANLAGE DER PAPIERFABRIK SCHEUFELEN-
OBERLENNINGEN (STRASSENSEITE)
OBERLENNINGEN
INDUSTRIE- UND WOHN GEBÄUDE DER PAPIERFABRIK SCHEUFELEN
Es müfleii fehon viele glückliche Umftände zueinander
treffen, wenn ein vorbildlicher indu-
ftrieller Neubau entliehen foll. GünfiigeRaum-
verhältniffe, keine Behinderung durch den fortlaufenden
Betrieb, eine großzügige Gefinnung
des Bauherrn, eine technifch und kiinftlerifch
gleichhohe Baugefimiung des Architekten —
alles dies find die Vorbedingungen für das Zu-
ftandekommen eines hervorragenden Neubaus.
Die letzten 20 Jahre haben uns in Deutschland
folche Werke gebracht. Es genügt, wenn man
Namen, wie Peter Behrens, Hans Poelzig, Walter
Gropius, Alfred Fischer als derart führende
Architekten des Induftriebaus nennt.
Wefentlich fchwieriger liegt der weit häufigere
Fall, daß eininduftrielles Werklangfam und or-
ganifch — vielleicht erftin Generationen — an-
wächft und nun die Befitzer wiederholt vor die
Frage der Um- und Erweiterungsbauten geftellt
find. „Es wachfen die Räume, es dehnt fich das
Flaus........" ach, aber wie dehnt es fich fo
oft! Jedem Eingeweihten flehen die Gegenbei-
Ipiele fchaudernd vor Augen. Räumlich und
finanziell großartig gewachfene Fabrikgebilde,
durch deren Labyrinth man am Faden eines
Führer-Jünglings ftolpernd über Bretter, über
Eifenlchwellen, himmelhoch anfteigend auf der
FalTade angeklebten Eifentreppen, dann zu
Tode erichrocken wieder durch dunkle Gänge
hinabgeleitet, endlich vor dem Fabrikherrn im
Allerheiligften Hellt! Die Jahresringe der Konjunkturzeiten
find gleichfam ablesbar bei f olcher
Berg- und Talwanderung; aber fie find nicht fo
fchön und organifch gewachfen wie bei einer
Schwarzwälder Tanne.
Doch Kritifieren ift bekannterweife leicht, Bef-
fermachen inf olchemFall fehr fchwer. Das muß
getagt werden: nirgends häufen fich die Bau-
fchwierigkeiten und Bedenken fo, wie bei Um-
und Erweiterungsbauten eines größeren Fabrikkomplexes
. Eine Unfumme von technischen
Forderungen, von Behinderungen durch den
fortlaufenden Betrieb, Geländeungunft, höchft
fchwierige finanzielle Entfchließungen über das
Dekorative Kunst. XXVIII. i. Oktober 1924
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