Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 52. Band.1925
Seite: 72
(PDF, 78 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_52_1925/0092
polilik und eröffnet erft den Blick auf den gan
zen Umfang des Problems. Der Nachweis, daß
das A olksvermögen durch jedes nach Material,
Arbeit und Form qualitätvolle Produkl ver
mehrt, durch jedes qualitätlofe vermindert wird,
ift von höchfter Wichtigkeit. Denn damit wird
der reale Charakter der ganzen frage noch
deutlicher und die Pflichl zu einer beftimmten
Stellungnahme des Staates unverkennbar. I nd
wenn einmal erkannt ift, daß auf die Dauer die
Stellung Deutschlands auf dem \\ellmarkl nur
davon abhängt, ob es geling!, die deutfche Pro
duktion mit dem Qualitätsgedanken zu durchdringen
, fo wird die f rage auch für die gefamte
\\ irtfchaft eine Frage erllen Ranges. Nun hau
deft es (ich um die Feftftellung, oh der Staat
imftandc ift,irgendwie qualitätsfördernd aufzutreten
, d. h. die Produkl iou unmittelbar oder
mittelbar zu beeinflussen. Ein fehr verdienft-
voller Abfchnitt des Pechmamifchen Büches
zeigt, wie der abfolutiJtifcJie Staat des ly. Jahrhunderts
auch vor den fchärfften Eingriffen
nicht zurückschreckte, wenn es galt, die Produktion
eines Landes zu liehen. Ein großarti
ges Beifpiel dafür ift das \\ irken Colberts, des
Wirt Ich aftsdiktators Ludwigs \us dem

Grmidfatz, daß „das allgemeine \A ohl immer
über dem des einzelnen fleht", ergab lieh für
ihn die Berechtigung zu den fchärfften Eingriffen
in die Produktion, die lieh ftets auf die
Hebung der „Qualität" bezogen und von den
größten und bleibendften Erfolgen hegleitet
waren. Wenn im \ ergleich hierzu der moderne
Staat den Fragen der Produktion lall gleichgültig
gegenüberzustehen Icheint, fo liegt das
vor allem an dem Charakter des liberalen Staa
tes, der vor Eingriffen in die Freiheiten des Ein
zelnen, zu denen auch die Gewerbe frei heil und
das Recht des freien Wettbewerbs gehört, zu
rückfehreckt. Und felbft wenn der Staat heule

wollte, fo könnte er in fo unmittelbarer Weife
wie zu Colberts Zeiten kaum mehr qualitätfördernd
wirken. Denn die „Form", die heule
ein fo wefentlicher Beftandteil des Qualitätsbegriffes
ift, während (ie für den glücklichen
Angehörigen einer früheren ftilficheren Zeit
kein Problem war, ift behördlichen Zugriffen
fo gut wie unzugänglich. Immerhin kann der
Staat mittelbar manches erreichen, und es ift
auch fchon nicht Geringes da und dort gefche-
hen. Er kann durch Hinweife ilnd Organifatio-
nen bei Erzeugern, Verbraucbern und Händlern
den Sinn für die Qualität wecken und
fördern, und er kann vor allem — und das ift
das \\ ichtigfte — durch das Schulwefen für die
\ erbreitung des Formfinnes Sorge tragen. Mit
vollem Recht weift Pechmann darauf hin, daß
lieh nicht nur die Kuixft- und Kunftgewerbe-
fchule dieler Aufgabe widmen muß, daß fchon
die \ olksfchule im Schreib und Zeichenunter-
richl und des weiteren im Arbeitsunterricht in
diefer Richtung wirken kann, und dal) auch in
der gewerblichen Fortbildungsschule fowie in
eigenen \ erkauferinnenfchulen manches ge-
fchehen kann. Lud ebenfo müllen lieh Yluleen
und Sammlungen in den Dienft der Erziehung
zur Form [teilen. Das \\ efentlichfte bleibt na-
türlich der Ausbau unferer KmiftSchulen; über
die auf diefem Gebiete betätigten und geplanten
Reformen kann man lieh aus dem Buche
Peehmanns ebenfalls unterrichten.
„Das letzte Ziel aller Qualitätsarbeit ift eine
\ erliefung der nationalen Kultur." Mit diefem
Satze, der das letzte Kapitel einleitet, w ird das
Problem in feiner ganzen Bedeutung hingeftellt.
Es ift ein Problem der Kulturpolitik, — das
oft mißbrauchte W ort in feinem echten Sinne
verftanden. Lud da die nationale Kultur eine
Sache jedes \ olksgenolfen ili. möchte man auch
diefem Buch die weitefte \ erbreitung w ünfehen.

W. Riexler


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_52_1925/0092