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den können, übertragen. Die — meift über-
fchätzte — Konkurrenz für das felbJtändige Gewerbe
muß in einer künftlerifch und wirtf chaft-
licb bedingten Zwangslage hingenommen werden
. Die Beitel hingen ergeben lieh durch die
Beteiligung an MelTen und durch Aufträge.
Alfo: Bezahlte Hilfskräfte neben den Lehrlingen
und eigentlichen Schülern, Verkäufe, Aufträge
, Wiederholungen, Warenangebot — damit
find Schulwerkftätten produktiv, d. h. gewinnbringend
zu machen. Wer lie fo will, muß
auch diefe Mittel wollen. Mit den Schülern allein,
die nur lernen sollen und gegen die es keine
Machtmittel gibt, geht es nicht.
Die Entwicklung der Werkftätten drängt dahin
— zwangsläufiger Verfolg einer eingelchla-
genen Richtung — und die Frage ift weniger,
ob lie fo werden follen, als wie rafch fie dahin
gelangen. Auch liegen hier nicht die eigentlichen
Schwierigkeiten für die Schulen; die liegen vielmehr
in der formalen Geftallimg der Dinge, aus
der fleh alle Angriffe herleiten. Zu fagen, daß
man nur auf die gewiJOTenhafte handwerkliche
Arbeit zurückgreifen brauche, um von fefbft zur
„Qualität" zu gelangen, ift ein Denkfehler.
Auch das Einfachltc hat eine Form, und
die entfloht nicht, wenn man fie nicht in der Vor-
ftellung trägt, die ihrerfeits wohl durch Material
und Technik beeinflußt, aber nicht hervorgerufen
w ird. Es gibt keingewifTermaßenfachliches
Handwerk, das dem Streit der fubjektiven Bewertung
entrückt wäre. Dem Schuh gebeut die
Form der Fuß, nicht? Aber derfefbe Menfch
trägt breite, fpitze, eckige, runde Schuhe mit
hohen oder niedrigen Abfatzen. Vom Ofen läßt
lieh fagen, er heize die Kubikmeterzahl mit der
Kohlenmenge; der fparfamfte wird von aflen
als folcher gleich gefchätzt. Aber wenn er in
der Induftrie in l'echs verfchiedenen Formen
(und Farben) angeboten wird? Ift der glatte der
fachhchlte ? Zugegeben,aber mankannihn trotzdem
fechsmal verfchiedon machen. Und dann?
BRUNO PAUL-BERLIN GERSON-RÄUME. GROSSER BÜCHERSCHRANK IM HERRENZIMMER
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