Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 52. Band.1925
Seite: 222
(PDF, 78 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_52_1925/0266
tastischem Theaterkostüm belauscht, durch ein
Lorgnon schauend, eifersüchtig und erregt eine
Dame, die heimlich beglückt das Miniaturporträt
ihres Geliebten betrachtet; hinter den Figuren ein
Pfeiler, auf dem, sich lausend, ein Affchen hockt,
als Symbol der Eifersucht — wie bei anderen
Gruppen der Liebesgott.

Zwei andere größere Gruppen sind ihrerseits
Gegenstücke: „Der stinmische Galan" und der
„Lauscher am Brunnen". Der „stürmische Galan
", in den Rechnungen als „ Amourett-Stuckh"
erwähnt, ist wohl die bekannteste und beliebteste
Nymphenburger Gruppe: ein Kavalier in phantastischem
Theaterkostüm kniet vor einer, nur
mit einem hemdartigen Gewand bekleideten
Dame und sucht, keck zugreifend, ihr den Mantel
, der ihre Schulter bedeckt, abzustreifen, während
ein geflügelter Amor den Knienden am
Haarschopf hält und mit seinem Bogen heftig
auf ihn losschlägt.

Ebenfalls einLiebesmotiv variiert das sogenannte
„Fürwütz-Stuckh",der „Lauscheram Brunnen":
neben einem Pfeilerbrunnen, auf dem Amor mit
dem Bogen balanciert, sitzt ein Mädchen und
läßt sich den plätschernden Wasserstrahl über
das nackte Bein rinnen; hinter dem Brunnen
streckt ein junger Kavalier den Kopf hervor
und belauscht lüstern die Unvorsichtige.
Stellt man die beiden letzteren Gruppen so nebeneinander
, daß die Frauengestalten in die Mitte
kommen, so erkemit man auch hier wieder den
Rhythmus der Linien, wie er für Bustellis feines
künstlerisches Gefühl so bezeichnend ist: von
dem liegenden Kavalier der Brunnengruppe
links unten steigt die Bewegung auf, erhebt sich
über die Köpfe der im Kontrapost gedrehten,
aber gleich hohen weiblichen Figuren, kehrt dann
in dem linken Bein des knienden Liebhabers
wieder zum Boden zurück und schwingt hier
leiseaus.Dieletztegrößere,fürsich alleinstehende

Komposition ist der Jagdaufsatz: eine Art hoher
Terrassenbau, auf dem drei Personen, eine Dame
und ein Jäger beim Jagdfrühstück, ein Waldhornbläser
, sowie vier Hunde nebst der Jagdbeute
verteilt sind. Der Aufsatz war jedenfalls
als Mittelstück für die Tafeldekoration eines
Jagdschlosses gedacht, vielleicht der Amalienburg
im Nymphenburger Schloßgarten.
Mit diesem Stück ist die Aufzählung der plastischen
Bustelli-Modelle der Nymphenburger
Manufaktur, soweit sie bisher nachgewiesen werden
konnten, zu Ende. Es ist auch nicht zu erwarten
, daß später einmal noch das eine oder
das andere wichtige Stück plötzlich auftauchen
könnte, denn auch die Fabrikrechnungen und
andere archivalische Quellen nennen kaum mehr
ein Modell, das noch mit Bustelli in Verbindung
gebracht werden könnte.

Nirgends aber ist es leider möglich, diesen unerhörten
Schatz köstlichster Kleinplastik in
alten Ausformungen in vollständiger Reihe zu
bestaunen. Kein öffentliches Museum und keine
Privatsammlung ist so glücklich, das ganze Werk
des Hauptmeisters der deutschen Porzellankunst
zu besitzen.

Aus diesem Grunde sind die Bestrebungen der
Nymphenburger Manufaktur, wenigstens in ge-
treuesten Nachbildungen diese Kabinettstücke
deutscher Porzellankunst wiederzugeben, mit
dankbarer Anerkennung zu begrüßen. Zumal
es gegenwärtig der Manufaktur gelungen ist, in
künstlerischer und technischer Durchführung
den Reiz der alten Exemplare des 18. Jahrhunderts
, die unter Leitung und Aufsicht von Bustelli
selbst hergestellt wurden, wieder vollkommen
zu erreichen. Li der Tat ist es noch keiner
anderen Manufaktur geglückt, das künstlerische
Erbe, das ihre eigene Vergangenheit ihr anvertraut
, in solcher Vollendung zu neuem Leben

ZU erwecken. Friedrich H. Hofmann


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