http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_53_1926/0036
I
soweit das mit Worten überhaupt möglich ist
— kami aus ihnen angedeutet werden. Wichtiger
für die Weiterentwicklung scheint mir bei
Enseling das Eingehen auf die hinter den Erscheinungen
formende Kraft, die Konzentration
auf das allen seinen Arbeiten gemeinsame, rein
absolute plastische Vermögen. Wie weit kommt
der Sinn, die Idee der Plastik xar' e-;oxnv bei
Enseling zum Ausdruck? Kann man diese Idee
auch nicht in eine Formel bringen, so kann man
sie doch am Werk selbst erleben, so kann doch
der Künstler dieses Unsinnliche im Sinnlichen
immer mehr und mehr steigern und gerade
dadurch auch die sinnliche Formenkraft verstärken
. In Enselings „Tänzerin" liegt eine
lastende Erdenschwere und zugleich ein nach
oben ziehender Geist. Plastisches Wirken äußert
sich durch ein von innen pulsierendes, nach
außen strebendes Pochen am kubisch-konvex
Körperhaften. Die ursprüngliche Kraft des
Plastischen ist: Erde, Stein, Erz usw. durch
Belebung vom Mittelpunkt der Masse aus zu
entfalten, zu vergeistigen, zu enthüllen. In der
Gestaltung von innen — wie sie Rodin angedeutet
hat — hegt das Wesentliche. Je naturhafter
, elementarer die aus sich pochende Kraft
des Plastikers zum Ausdruck wird, je mehr die
erdenschwere Masse vergeistigt und von starkem,
zentrischem Leben beseelt ist, desto mehr wird
der Künstler aus dem eigentlichen Quell seiner
Kunst schöpfen können, desto näher kommt er
ihrem Geheimnis.
Wenn wir im Anblick der Arbeiten Enselings
zu solchen Überlegungen geführt und aufgefordert
wurden, so kommen wir dem W'esen des
Künstlers hierdurch vielleicht näher, als durch
eine mehr äußerliche Analyse alles dessen, was
er zu erzählen und über sein Programm zu sagen
weiß. Ausschlaggebend ist schließlich nur, daß
ein stark und primär plastisches Grundempiin-
den vorhanden ist — was heute durchaus nicht
jedem Bildhauer zugestanden werden kann —
und daß dieses reine Grundempfinden bei Enseling
zu einem sofort überzeugenden Ausdruck
kommt.
Herman Sörgel
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