Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 53. Band.1926
Seite: 45
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LEON BAKST

FIGURINE ZU „SCHEHEREZADE"

zwei Seiten hin bedeutsam war: das offizielle
Rußland bekannte sich dadurch und durch all
die folgenden staatlichen Aufträge zur damals
radikalen Kunst und ebnete der jungen Rieht ung
den Weg. Die Gerechtigkeit verlangt, daß dies
konstatiert wird. Bald sehen wir auch die Petersburger
und Moskauer staatlichen Theater mit
einander wetteifern, die oppositionelle Kunst,
die der Akademie den Krieg erklärt hatte, durch
Aufträge zu fördern. Auch Stanislawski machte
diese Sache zu der seinen. Und nach einiger Zeit
trat Djagilew auf den Plan (der den Kreis „Mir
Iskusstwa" gegründet, organisiert und durch die
von ihm ins Leben gerufene Zeitschrift gleichen
Namens zusammen- und festgehalten hatte, und
an Kunstverständnis, Energie, Hellhörigkeit für
das Herannahen einer neuen Generation und
durch europäische Bildung und Geist die bureau-
kratischen Thealerleiter daheim weit überragte)
und ging daran, das russische Theaterbild großzügig
zu gestalten. Wir sehen bald die damals führenden
Künstler der weiland russischen Moderne
eifrig und fruchtbar an der Arbeit. Alexander
Golowin, Korowin, Alexander Benois, Sapunow,
Dobuzinski (der jüngst für die Dresdener Oper
den „Onegin" geliefert), Boris Anisfeld, Nikolaj
Roerich. Und allen voran und immer wieder

Bakst, Bakst, Bakst. Er ist, und dies mit Recht,
der einzige, der, durch Djagilews Auslandsgastspiele
, in Europa bekannt geworden und der
überall befruchtend gewirkt hat. (Bald sehen wir
auch von dem sehr fruchtbaren, phantasiebegabten
Ernst Stern, der durch das Kino dem Theater
leider allzufrüh entrissen wurde, Inszenierungen
für Reinhardt, die von Bakst stark beeinflußt
waren.) Und wenn das gegenwärtige offizielle
Räterußland die radikale Kunst des Konstruktivismus
zur offiziellen Theaterkunst jorokla-
miert hat, so könnte man sagen, daß die leitenden
Kreise Rußlands die russische Tradition
fortsetzen, indem sie die jeweilig radikale Kunst
für ihre Theater sanktionieren. Und nicht einen
Augenblick ist daran zu zweifeln, daß, sollte die
jetzt radikale Kunst des Konstruktivismus durch
einen neuen Realismus abgelöst werden, — und
hierfür sind verschiedene Anzeichen vorhanden
— die verantwortlichen Stellen den neuen
Realismus als staatliche Kunst verankern werden.
Das zweite Moment, und zwar das bei weitem
wichtigere, war: dadurch, daß Bakst auf dem
Plan erschien, setzte erst die ganze Bewegung
ein, die Entstehung des modernen Bühnenbildes,
es war die Geburt des „Theaters als Ganzheit".
Wie sich die „große französische Revolution"

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