Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 53. Band.1926
Seite: 293
(PDF, 102 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_53_1926/0365
OTHON COUBINE

PROVENZALISCHE LANDSCHAFT. 1923
Mit Genehmigung von Adolphe Basler, Paris

Weichheit des Sehens, die ihn zu jenem naturerwachsenen
Klassizismus führte. In ihm gestaltet
er jetzt eine schöne Wahrhaftigkeit des
Empfindens. Daß es ihn in die licht geschwängerte
und doch in der Stimmung so verhaltene
Provence treibt, entspricht seinem Temperament
. Und daß er von hier aus leise Anklänge
an die deutsche Romantik erlauscht, offenbart,
daß auch er der romanischen Klassik nur als
Klärungsmoments bedurfte. Was französisches
Temperament dort in der Provence findet, das
zeigte Cezanne, das zeigt heute — in gehörigem
Abstand—der feine Marchand, dessen Pro vence-
landschaftenauf den ers ten Blick so ähnlich denen
Coubines erscheinen, und doch in leisesten Wendungen
die Richtunghin zum Gegenpol verraten.
DieBemühungendesJapanersFujitaum eineSyn-
these aus japanischem und europäischem Sehen
stehen stark unter dem Einfluß neoklassizistischer
Strömung. Die Arbeiten seiner Landsleute deuten
die großen, nicht ohne Kompromisse zu überwindenden
Schwierigkeiten solcherVersuche an.
Nun zu den jüngsten Erscheinungen. Eine heimliche
Romantik oder, wenn man so will, Expressionismus
schien oft hinter diesen bisher betrachteten
Kunstäußerungen zu treiben. Ein klassizistischer
Zug schien sie aber immer wieder zurückzudrängen
. Im einstigen Fauvismus war er
stark hervorgetreten. Die Pariser Entwicklung
hat ihn nicht voll zur Auslösung kommen lassen.
Ist es also ein Bruch derEntwicklung, wenn dieser
unausgelebte, immer wieder vordrängende und
immer wieder zurückgehaltene Trieb plötzlich
elementar herausstößt? Er muß wie eine Erlösung
wirken. Nur so kann man sich den sensationellen
Erfolg erklären, den vor zwei Jahren
die Ausstellung Rouaults errang, dieses Malers,
der die schrecklichen Gesichte seiner Welt in
krasser Form hinausschreit, der Huren und Verstoßene
des Lebens in ihrer fratzenhaften Maske

293


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_53_1926/0365