http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_54_1926/0146
ARCH. LUCIAN BERNHARD, BERLIN
HAUS F. IN H. SCHLAFZIMMER
DAS GOLDSCHMIEDEHANDWERK UNSERER TAGE
Es gibt im Kuiisthanchverk keinen Zweig,
dessen isolierte Betrachtung sich in dem
Maße rechtfertigen läßt, wie der der Gold-
schmiedekunst. Zu allen Zeiten hielt sie die
Führung im Handwerk, ja, zu den höchsten
Aufgaben der Kunst zugelassen, war sie Vermittlerin
zwischen Orient und Okzident, als
im frühen Mittelalter byzantinische Vorbilder
nach Deutschland kamen und zur Nach- und
Weiterbildung reizten. Aber auch heute lohnl
sich eine Betrachtung der gegenwärtigen Goldschmiedekunst
als Einheit, denn gerade in den
letzten Jahren hat sie sich von Bindungen freigemacht
, die sie an das Kunstgewerbe allzusehr
gekettet hatten.
Vor allem bedeutete es einen Fortschritt, daß
mehr und mehr im letzten und \ orletzten Jahrzehnt
Künstler auftauchen, die selbst Goldschmiede
vom Werkbrett her sind, die ihre Formen
und Ideen sich nicht mehr von Künstlern,
Architekten und Kunstgewerblern vorschreiben
lassen, sondern selbst etwas leisten, und zwar aus
dem Gefühl für Material und Technik heraus. Sicherlich
haben auch hier die Ideen des Werk-
bunds ihre Anregung gegeben und auch Marc
Rosenbergs Arbeiten boten den neuen Gesichts-
punkten wertvolle Anregungen dar. Es darf
aber auch nicht vergessen werden, daß für die
tiefere Versenkung in die gute handwerkliche
Technik das traditionell gepflegte Können der
Edelmetallindustrieplätze, wie Hanau, Pforzheim
, Schwäbisch-Gmünd und Oberstem einen
guten Rückhalt bot. Diese Rückeroberung des
Könnens für die künstlerisch führenden Kräfte,
verbunden mit der Neubclebung verlorengegangener
Techniken führte zu einem anderen
Gefühl für das Material. Nicht mehr die dekorative
Wirkung, der farbig tonige Effekt für
das Auge ist das Kennzeichen, Glanz, Härte,
Art derBearbeit ung, Wert des Materials, Freude
an schwieriger Behandlungsweisc, das alles ergibt
ein sinnliches Verhältnis zum Material. So
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