Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 54. Band.1926
Seite: 146
(PDF, 78 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_54_1926/0180
Grundformen: Blockbau und Tafelbau zur
Anwendung. Bei der Blockbauweise werden
massive Holzbohlen hochkantig horizontal auf-
einandergefügt und zum besseren Wärmeschutz
innen mit einer Verschalung oder einer Ver-
täfelung versehen. Die Anordnung ist so, daß
zwischen Bohlenwand und Vertäfelung Isolierräume
entstehen. Bei der Tafelbauweise ist das
System isolierender Luftzellen noch in stärkerem
Maße ausgebildet. Hier werden die Wandflächen
aus mehrfach übereinander gelagerten
Bretterverschalungen, die in Rahmen mit Zwischenräumen
gebunden sind, konstruiert. Bekanntlich
haben jedoch nur dicht abgeschlossene,
sogenannte „ruhende" Luftschichten eine iso-
lierendeWirkung. Diese wird selbstverständlich
sofort aufgehoben, wenn etwa in die äußeren
Hohlwände Schiebefenster oder Schiebetüren
hineingeführt werden. Es liegt auf der Hand,
daß dann von einem Wärmeschutz kaum noch
die Rede sein kann; im Gegenteil, solche nach
außen geöffnete Hohlraumschlitze bilden für
Wind und Wetter die besten Angriffsmöglichkeiten
!

Noch immer ist man beim reinen Holzhausbau
darauf angewiesen, die äußeren Wände mit verhältnismäßig
schmalen Bohlen und Brettern zu
gestalten. Verleimte Sperrholzflächen können
ihrer Beschaffenheit nach lediglich für die
Innenausstattung, nicht aber für die dem Wetter
preisgegebenen Außenwände in Betracht
kommen. Gründliche wärmetechnische Untersuchungen
haben ergeben, daß schon eine 7 cm
starke Holzwand in werkgerechter, guter Konstruktion
einen besseren Wärmeschutz bietet
wie eine 38 cm starke Ziegel wand. Dieser hohe
Vorzug wird freilich sofort hinfällig, wenn in
der Ausführung und Konstruktion und bei der
Verwendung des Materials nicht der Wille
zu höchster Qualitätsleistung waltet. Leider
muß derjenige, der es unternimmt, die mannigfaltigen
, in den letzten Jahren im Holzhausbau
aufgeschossenen Fabrikationsmethoden zu prüfen
, mit tiefem Bedauern feststellen, daß der
Güte des Holzbaues von verschiedenen Seiten
arge Bedrängnis droht. Es herrscht vielfach die
Ansicht vor, ein Holzhaus müsse über die Maßen
„billigst" sein. Wenn nun zur Erreichung

dieses Zieles ohne genügende Sachkenntnis und
Erfahrung und unter Verwendung ungeeigneter,
ungepflegter Hölzer darauf losfabriziert wird,
so wird das Produkt vielleicht wohl billig, aber
bestimmt auch schlecht sein. Durch minderwertige
Ware wird aber nicht allein der Auftraggeber
empfindlich geschädigt, sondern der
ganze Holzhausbau überhaupt diskreditiert. Es
gehören bedeutende, alte, wohlgepüegte Holzvorräte
, ausgedehnte Trocknungsanlagen und
viele andere Einrichtungen, sowie langjährige
Erfahrung dazu, um dieses Spezialgebiet ganz
zu beherrschen.

Naturgemäß wird sich die besondere Konstruktion
des Holzhauses in seiner äußeren und inneren
Erscheinung auswirken. Am deutlichsten
ist dies beim Blockbau zu erkennen, wo schon
die übergreifenden Eckverkämmungen der aufeinander
gelagerten Bohlen dem Hause sein
eigenes Gepräge geben. Ein Uberkragen der
oberen Geschosse über die unteren empfiehlt
sich sowohl beim Blockbau als auch beim Tafelbau
, um ein gutes Abtropfen des Regenwassers
zu ermöglichen. Ebenso eine weite Ausladung
des Daches, die außerdem die W ände vor Schlagregen
schützt. Aus solchen elementaren Bedingungen
ergibt es sich von selbst, daß ein Holzhaus
— sofern es werkgerecht konstruiert ist —
notgedrungen ein anderes Aussehen haben muß
als ein Steinhaus. Versuche, dem Holzhaus das
Ansehen eines Steinhauses zu geben, müssen
als Verfehlungen bezeichnet werden.
Erfahrungen und Tradition dürfen aber auch
nicht dazu führen, daß — was leider noch oft
geschieht — der Holzbau der heutigen Zeit
dazu mißbraucht wird, in seinem äußeren Aussehen
ein Abklatsch nordischer, oberbayrischer,
schweizerischer oder anderer lokaler Bauernhaustypen
zu sein. Bei aller Rücksicht auf erprobte
und sich als praktisch erwiesene Konstruktionen
des Holzbaues muß derselbe organisch
weiter entwickelt und dem Zeitgeist
entsprechend gestaltet, d. h. zu strengem Stil
geführt werden. Bei sorgsamer Beachtung seiner
Gestaltungsbedingungen und bei rechter Pflege
kann er zweifellos zu neuer Blüte kommen imd
eine wertvolle Bereicherung unseres Bau- und
Wirtschaftslebens bilden. Prof. Aibinmüller

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