Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 54. Band.1926
Seite: 172
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ARCH. FR. GILDEMEISTER, BREMEN

VILLENGARTEN IN DER VAHR. HAUSGARTEN

GARTEN VON FR. GILDEMEISTER, BREMEN

Es ist ein erfreuliches Zeichen einer Wandlung
im Stilgefühl unsrer Kultur, daß die
lange vernachlässigt gewesene Architektur aus
ihrem braven Dornröschenschlaf zu erwachen
beginnt, sich nach dem Schlund riangleichgüll iger
Stilnachahmung und abscheulicher Stilmischung
auf den Wert und die Würde eines eigenen
Stiles besinnt. Schlimmer noch als der Architektur
war es der Gartenarchitektur gegangen,
die einst zu Zeiten höchsten Form gel ühls (im
Barock) mit der Baukunst aufs engste verschwi-
stert gewesen war, Meisterwerke formaler Gebilde
hervorgebracht hatte, über die verhängnisvolle
Formlockerung aber des englischen Naturgartens
zur romantisch-bürgerlichen „malerischen
Unordnung" herabgesunken war.
Schon vor dem Kriege halte man gegen diesen
Naturalismus der Gartenarchitektur Front gemacht
durch die Forderung eines neuen „Formalismus
", der allerdings nicht das einzige
Rettungsmittel sein konnte gegenüber der Gedankenarmut
und Charakterlosigkeit der Zeit.
Wie die Architektur des Hauses dazu bestimmt

ist, den Lebensfunktionen lebendiger und wirkender
Menschen als Gehäuse zu dienen, so
mußte auch der „moderne" Garten aus seiner
Bestimmung für das Leben der Menschen heraus
Gestaltung und Sinn erhalten, wenn er wieder
ein „Kunstwerk" sein wollte.
Als notwendig ergab sich die Auffassung vom
Garten als Raum, der genau so zu gestalten und
zu gliedern war wie der für ein Wohnhaus zur
Verfügung stehende Platz. Notwendig erschien
ferner die Komposition von Haus und Garten
in den vorhandenen Raum hinein, so daß beide
Anlagen, Garten und Haus, von demselben Architekten
und von umfassenden Gesichtspunkten
aus bedacht und gegliedert werden konnten.
Notwendig war auch der sorgsame Zusammenklang
von Linie — der horizontalen wie auch
der architektonisch ungeheuer wichtigen vertikalen
— und Farbe, die ja einst den alleinigen
Reiz des Landschaftsgartens ausmachte. Schließlich
bedurfte es eines Künstlers, dem nicht nur
ein klarer strenger Wille zur Form zu Gebote
stand, sondern eine genaue Kenntnis des Pflan-

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