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THEO CHAMPION.
ROMANTISCHE LANDSCHAFT
THEO CHAMPION, EIN MALER
BETRACHTET VON HERBERT EULENBERG
„Was mich an der Kunst eines Malers wie
Manet anzieh t oder an der Demigen, mein lieber
Paul!" schrieb Zola einmal an seinen Jugendfreund
Cezanne, „das ist die unbedingte Aufrichtigkeit
Eurer Kunst. Ihr malt, wie Ihr müßt.
Und nicht, wie es die grasfressende bilderkaufende
Menge verlangt."
Diese Eigenschaft, „qualite" nennt sie der Franzose
von vornherein mit günstigem Einschlag,
ist es, die mich an der Malerei von Theo Champion
anzieht. Welch ein Glück! Er schwindelt
nicht, denke ich bei jedem Bild, das ich von
ihm sehe, vom ersten bis zum letz ten. Man muß,
um diesen tüchtigen Maler ganz zu würdigen,
stets an die Umwelt denken, aus der er hervorwächst
. An Düsseldorf, mit einem Wort. Denn
hier ist er geboren, hier auf die Akademie gegangen
und hier hat er, bis auf einen längeren
anregenden Besuch der Weimarer Kunstschule,
die meiste Zeit seines Lebens verbracht.
Was malt Champion denn eigentlich? Nichts
anderes wie das, was er täglich um sich sieht.
Die Landschaft und Stadtgegend, in der er
haust. Das heißt Düsseldorf-Obercassel und
die ländlichen oder die durch die Fabriken gekennzeichneten
Striche rings um diese linksrheinische
Vorstadt von Düsseldorf. Und auch
das finde ich wiederum so echt und ursprünglich
, daß er nicht nach den berüchtigten „Motiven
" der alten Landschafter durch die Schöpfung
stelzt und die Erf t oder den Niederrhein
nach dankbaren Bilderstoffen abklappert, wie
es noch der selige Andreas Achenbach tat, bevor
man ihn auf die Seestücke festlegte. Die
tagtägliche Welt, die er um sich sieht, in all
ihrer Nüchternheit, Häßlichkeit und Schönheil,
ist Champions Feld. Und die trostlose Straße,
in der er wohnt, der leere winterliche Kleinbürgergarten
, zu dem er von seiner Werkstatt
hinabschaut, sind die lebendigen Seiten seines
Bilderbuchs. Er späht nicht lang herum, ob
sich der Vorwurf, den er malen will, auch lohnt.
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