http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_55_1927/0155
KARL ALBIKER
PALLAS ATHENE
NEUE WERKE VON KARL ALBIKER
Die vornehme Zurückhaltung dieses Künstlers
verlangt Verzicht auf jede äußerliche Rubrizierung
, verlangt Maßstäbe, die aus diesem
SchalFen selbst heraufwachsen. Seine jüngsten
Werke scheiden sich deutlich in vier untereinander
verschiedenen Gruppen: in die Bildnisbüsten
, in die Gestalten strotzenden Lebens, in
die Figuren herben Sehnens und in die Monumente
. Vier verschiedene Manifestationen also,
in die der hier treibende Wille auseinandertritt.
Aber nicht Zufallsfügungen einer momentanen
seelischen oder artistischen Situation. Wie sich
hier gesammeltes Erleben und Erfahren gültig
prägt, das läßt uns spüren: eine jede dieser Sonderungen
trägt ihre Geschichte in sich. Das
zwingt, zurückzublicken. Der Querschnitt spaltet
sich auf in Längsschnitte. Man erkennt, dies
Schaffen gliedert sich nicht in Perioden. Kein
mehr oder weniger abruptes Sich-Ablösen verschiedener
Seelenhaltungen, wie wir es heute so
oft beim schöpferischen Menschen finden, kein
sukzessives Heraustreten der inneren Wesenszüge
in Motiv und Methode. Nein, von dieser
klaren Ausprägung im heutigen Schaffen aus
sehen wir deutlich, wie diese Veräußerungen und
Gestaltungen von Wesenszügen von je nebeneinander
hergingen, verbrüderte Ströme gleichsam
, in denen sich das gemeinsame Werden
saftvoll begibt. Und wie die sich klärende Milte
gleichsam zwischen den Gestalten wächst als der
Duft ihres Miteinander und auch als die Spannung
ihres Gegenübers.
Wir gleiten die lange Reihe der Albikerschen
Bildnisbüsten hinauf bis zu ihrer heutigen Erfüllungin
„Lo als Pierrot" und „Lis". Zärtlichklare
Erfassung des Mit-Seins, Versenkung ins
„Andere", liebend sorgsame Hut verhaltenen
Ichs. Porträtbüsten führen hin: wärmstes Leben
in die selbstgenugsame Form gelockt, leiseste
Regung erspürt, in zartester Wellung dem Moment
enthoben, eingebettet in die ruhige Forderung
des Raums. Im Bildnis verabsolutieren
sich momentane Züge zu köstlichen Fügungen
raumplastischen Erlebens —: die Hände der
„Lis" —, monumentalisieren sich innig-verhaltene
Regungen zu herb-vornehmem Stil —:
„Lo als Pierrot". — Welt der Gestalten, nah
und vertraut.
Doch wo Individualion des Porträts solche Züge
warmer Lebendigkeit, verhaltener Herbe nicht
mehr eingrenzt, da regen sie sich zu dunkelkeimendem
Leben aufwärts. Da zuckt die Herb-
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