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JAN STURSA. BÜSTE DER MESSALINA
den Habitus geworden und in die alleinherrschende
Knochenform hineingetragen. Von ergreifender
Reinheit und Strenge ist dies in der
Haltung, in der Kopfform, in den Händen und
in dem ganz eigenartig persönlichen Equilibre
der Präsidentengestalt zum Ausdruck gebracht.
Ihr fehlt alles Fleischliche, Fettliche, Hautliche
, mit einem Wort alles Weichliche, alles
eminent Veränderliche und Vergängliche der
Menschengestalt. Alles ist dauernd, in hartem
Knochen gebildete Form, Pathos in Ruhe,
gestillter Wille! Und doch alles von sanfter
Gültigkeit, ohne das geringste Element abstrakter
Unzugänglichkeit. Scheinbar naturalistisch
, scheinbar bloß liebenswürdig, in der
Maske mondainer Geselligkeit steht der mit
leicht pädagogischem Einschlag plaudernde Professor
vor uns, und doch wird es jedem, dem
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Fremdesten, dem Uneingeweihtesten elementar
klar, daß von ganz anderen Dingen die Rede
ist, vom Symbol gewordenen Willen einer
Nation.
Die Büste Eduard Vojans, schon aus den letzten
Jahren Stursas, aus 1920, und der gehaltvolle
Frauenkopf zur Himmelsgabe, dessen Konzeption
sich bis ins Jahr 1918 zurückverfolgen
läßt, gehören hierher. Die letzte Schaffens-
periode sei hier illustriert durch die Skizze des
schon vom Tode Gezeichneten, durch den Entwurf
des Denkmals für 2izka, den Hussiten-
feldherrn. Ganz streng und doch mit dem
Radikalismus der Schöpferleidenschaft ist die
Endsumme des bisherigen Entwicklungsganges
gezogen: die geschaffene Form mit ihrer
Idee so irdisch und lokalgebunden wie denkbar
hinzustellen und sie doch gemeingültig,
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